Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 23.02.2015


Film und TV

Soko Kitzbühel: Die Neue stört die alte Idylle

Dienstag um 20.15 Uhr ist Dienstbeginn für die „Soko Kitzbühel“-Kommissarin

Julia Cencig. Sie löst Kristina Sprenger ab – und im neuen Team Misstrauen aus.

Julia Cencig und Jakob Seeböck spielen das Ermittler-Duo im ORF-Quotenhit „Soko Kitzbühel“.

© ORFJulia Cencig und Jakob Seeböck spielen das Ermittler-Duo im ORF-Quotenhit „Soko Kitzbühel“.



Von Cornelia Ritzer

Wien – Mit Nina Pokorny (Julia Cencig) stimmt was nicht. Ja, die neue Kommissarin ist ein Stadtmensch, sie kommt aus Wien in die idyllische Stadt Kitzbühel und stöckelt in Schuhen mit Absatz am Berg herum. So weit, so klischeehaft. Und sie ist damit so gar nicht wie ihre Vorgängerin Karin Kofler (gespielt von der Innsbruckerin Kristina Sprenger). Das macht Pokorny zwar anders, aber noch nicht verdächtig. Und trotzdem traut Chefinspektor Kroisleitner (Ferry Öllinger) der Kollegin nicht. Und steckt mit seinem Misstrauen und den Fragen auch den zum Chef aufgestiegenen Lukas Roither (Jakob Seeböck) an. Auch wenn dessen Bauchgefühl ihm eigentlich sagt, dass die Neue zwar geheimnisvoll und verschlossen sein mag, aber auch verdammt sexy wirkt.

13 Folgen lang haben die TV-Ermittler und die Zuschauer ab morgen Zeit, hinter das Geheimnis von Nina Pokorny zu kommen. Und sich an das frische Gesicht im Kitzbüheler Kommissariat zu gewöhnen. „Jede Art von Veränderung in einer lange laufenden Serie ist heikel“, weiß Heinrich Mis, der Leiter der Hauptabteilung Fernsehfilm im ORF. Unter seiner Verantwortung entstehen neben dem Quotenhit Soko Kitzbühel – wöchentlich schalten in Österreich bis zu 800.000 zu, im ZDF wird ein Marktanteil von über 20 Prozent erreicht – auch Soko-Donau, der Österreich-Tatort oder der jüngste Überraschungshit „Die Vorstadtweiber“. Doch bereits in den 13 Jahren, in denen die Serie durchgehend mit Kristina Sprenger in der Hauptrolle lief, gab es Veränderungen, sagt Mis. Früher habe man TV-Geschichten langsamer erzählt als heute, auch Humor und Witz haben im Kitzbühel-Krimi einen immer wichtigeren Stellenwert bekommen.

Nun haben die Autoren den Figuren zusätzlich zu den Kriminalfällen andere Aufgaben auf den Leib geschrieben. Wie etwa Kroisleitners Argwohn. Der natürlich auch Eifersucht sein könnte, erklärt Mis: „Er hoffte nach Koflers Abgang auf eine Beförderung, die er aber nicht bekam. Er kommt also nicht aus seiner Uniform raus.“ Damit sei die Serienhandlung nahe am Polizeialltag, und das mache diese nochmal spannender. Einen Tick moderner ist das bewährte Format durch schnellere Schnitte geworden. Und die „goscherte Neue“ (Mis), die auf eigenen Wunsch von der Großstadt aufs Land versetzt wird, sorgt ebenfalls dafür, dass die alten Ordnung etwas gestört wird. Auch akustisch wird das wahrnehmbar sein, schmunzelt Schauspieler Jakob Seeböck im ORF-Hintergrundgespräch vor dem Serienstart: „Die neue Kommissarin redet unglaublich schnell!“

„So bin ich auch privat. Ich rede oft schneller, als ich denke“, zieht Julia Cencig dann auch Parallelen zur Serienfigur. Diese zankt sich außerdem gerne und sucht den Konflikt – Eigenschaften, die der zweifachen Mutter aber fehlen: „Ich bin harmoniebedürftig.“ Als Cencig das erste Mal in ihre neue Serien-Heimat Kitzbühel kam, hätten ihr die Worte gefehlt, meint die Schauspielerin, die auch im Theater viele Rollen spielte: „Es ist so schön dort, mir ist die Spucke weggeblieben“, kommt sie bei der Erinnerung an das „weite Tal und den Wilden Kaiser“ ins Schwärmen. Mit den Tirolern sei sie gut klargekommen, fügt die gebürtige Kärntnerin hinzu, und an den Bewohnern der Gamsstadt gefalle ihr, dass sie „Pfeffer im Arsch haben und immer was los ist“.

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Ein halbes Jahr haben die Dreharbeiten in Kitzbühel für die 14. Staffel gedauert, täglich hat ein Team bestehend aus bis zu 50 Leuten an der Serie gearbeitet. Einer davon war der Schießtrainer, der Cencig den Umgang mit – natürlich mit Platzpatronen bestückten – Pistolen beigebracht hat. „Ich hatte noch nie eine Waffe in der Hand, das war echt aufregend.“ Doch nicht nur schussfest musste Cencig für die Rolle werden, auch ein Nahkampftraining hat sie absolviert. Immerhin muss sie sich als Kommissarin körperlich verteidigen können und ab und zu eine Tür eintreten. „Ein neues Universum“ sei das für sie gewesen, so Cencig, aber Ungewohntes probiert sie gerne aus: Und das verbindet sie wiederum mit Serienfigur Nina Pokorny.


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