Letztes Update am Di, 08.12.2015 13:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Auszeichnung

Britisches Architekten-Kollektiv erhält Turner-Preis

Nach der Verleihung des britischen Turner-Preises gibt es regelmäßig Debatten. Diesmal hat eine Architektengruppe gewonnen, die Reihenhäuser renoviert. Kritiker fragen: Ist das Kunst?

Das britische Kollektiv "Assemble" wurde mit dem Turner-Preis ausgezeichnet.

© AFP/Robert PerryDas britische Kollektiv "Assemble" wurde mit dem Turner-Preis ausgezeichnet.



London – Der britische Turner-Preis für zeitgenössische Kunst geht an das britische Kollektiv „Assemble“. Die Gruppe aus 18 jungen Architekten, Designern und Künstlern erhielt die Auszeichnung unter anderem für ihr Renovierungsprojekt „Granby Four Streets“ in einem Problemviertel Liverpools - die Gruppe arbeitet dabei eng mit Bewohnern zusammen. Damit gewinnen erstmals „im engsten Sinne des Wortes Nicht-Künstler“, kommentierte die Zeitung The Guardian am Dienstag kritisch.

Der Preis, einer der wichtigsten Kunstpreise Europas, bringt der Gruppe 25.000 Pfund (35.600 Euro). Die Kollektiv-Mitglieder im Alter zwischen 25 und 30 Jahren seien zudem die jüngsten Preisträger, schreibt die Zeitung Independent.

„Die Nominierung war eine Überraschung für alle von uns“, sagte ein Mitglied bei der Verleihung am Montagabend in Glasgow. Die Jury betonte, dass die Gruppe bei der Renovierung der Reihenhäuser in einer ehemaligen Arbeitersiedlung mit den Bewohnern zusammenarbeite. Es handele sich um einen „Ansatz von Erneuerung, Stadtplanung und Entwicklung im Gegensatz zur Gentrifizierung durch Unternehmen“. Weiter heißt es: „Sie bauen auf eine lange Tradition von künstlerischen und kollektiven Initiativen, die mit Kunst, Design und Architektur experimentieren.“

Die Gruppe aus 18 jungen Architekten, Designern und Künstlern erhielt die Auszeichnung unter anderem für ihr Renovierungsprojekt "Granby Four Streets" in einem Problemviertel Liverpools.
Die Gruppe aus 18 jungen Architekten, Designern und Künstlern erhielt die Auszeichnung unter anderem für ihr Renovierungsprojekt "Granby Four Streets" in einem Problemviertel Liverpools.
- AFP/Paul Ellis

Kritiker dagegen stellten die Frage, ob es sich bei der Arbeit von „Assemble“ noch um Kunst handele. „Einige hinterfragen, ob sie für den Preis überhaupt hätten zugelassen werden sollen», merkte der Sender BBC vorsichtig an. „Nicht jeder wird mit der Verleihung einverstanden sein“, meinte auch die US-Sängerin und bildende Künstlerin Kim Gordon, die den Gewinner am Montagabend bekanntgab. Die „Assemble“-Mitglieder vermeiden eine Kategorisierung in Künstler und Nicht-Künstler.

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Der Turner-Preis wird an Künstler von bis zu 50 Jahren vergeben, die Brite sind oder in Großbritannien ausgestellt haben. „Die vergangenen sechs Monate waren eine super surreale Erfahrung“, sagte ein „Assemble“-Mitglied in Glasgow. Das Projekt solle noch lange Zeit weitergehen. „Assemble“ hatte bereits zuvor etwa mit einem Projekt Furore gemacht, bei dem eine alte Tankstelle in ein Kino umfunktioniert wurde.

Unter den vier Nominierten war auch die in London lebende deutsche Installations-Künstlerin Nicole Wermers, deren Ausstellung „Infrastruktur“ über das Thema Ästhetik und Konsum Beachtung fand. (dpa)