Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 10.12.2015


Ausstellung

Kleine und große Schätze, die viel zu erzählen haben

Eine Ausstellung als Dankeschön: Das Volkskunstmuseum holt „Geschenke und Präsente“ vor den Vorhang, die es in den letzten 15 Jahren erhalten hat.

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© Gerhard Watzek



Von Ivona Jelcic

Innsbruck – Messer schenkt man nicht, sagt der Volksmund. Ob das auch für Metzgerbeile gilt, ist nicht überliefert. Wenn es sich beim Beschenkten um eine Einrichtung wie das Tiroler Volkskunstmuseum handelt, dürfte aber ohnehin kein Grund zur Beanstandung vorliegen. Noch dazu, wenn es sich bei besagtem Beil um ein reich ziseliertes, mit Initialen und Meistermarke versehenes Modell aus dem Jahre 1737 handelt, das zweifellos auch Auskunft über die Geltung eines alten Handwerksberufes geben mag. Den Weg ins Museum gefunden hat das einigermaßen martialisch wirkende Gerät jedenfalls als Schenkung durch eine Privatperson – gleich wie rund 1500 andere, höchst unterschiedliche Objekte in den vergangenen 15 Jahren.

Dass das Volkskunstmuseum diese „Geschenke und Präsente“ jetzt in einer eigenen Ausstellung vor den Vorhang holt, ist vor allem als Dankeschön an die Schenkerinnen und Schenker gedacht. Zugleich versucht man aber auch zu vermitteln, dass die Geschichte und Geschichten der Gegenstände, privaten Kleinodien, religiösen Bildwerke, Arbeitsgeräte, Spielsachen, Möbel oder auch Kleidungsstücke viel über die Tiroler Kulturgeschichte erzählen können, die zu bewahren und zu dokumentieren schließlich auch die Aufgabe des Museums ist.

In der recht kruden Mischung an ausgestellten Objekten lassen sich, wenn man die Muße für nähere Beschäftigung aufbringt (etwa durch Lektüre der Begleitpublikation), durchaus wissenswerte Entdeckungen machen: Zum Beispiel ein Spielaltar aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in bürgerlichen Häusern einst ein beliebtes Mittel, um Buben für den Priesterberuf zu begeistern. Die männlichen Nachkommen der Familie Schuhmacher, die dieses rare Stück dem Museum überlassen hat, sind übrigens allesamt Mediziner geworden.

Auch ein wertvolles Fahnenbild von Josef Schöpf, ein historischer Bandwebstuhl des Familienbetriebs Zelger und auch jede Menge Kleidungsstücke samt einer rund 200 Stücke umfassenden Hutsammlung hat das Museum von privaten Gönnern überantwortet bekommen. Ein zentrales Motiv für die Schenkungen sei das Bewahren-Wollen – aber auch die fachliche Expertise, sagen die Kuratorinnen Anna Horner und Katharina-Sophie Niedermüller. Bei allem Stolz über das Vertrauen, das dem Museum so entgegengebracht wird, ergänzt Museums-Chef Karl C. Berger, könne man aber keineswegs alle Geschenke und Präsente annehmen. Sondern nur solche, die ins Sammlungskonzept passen bzw. dort Lücken füllen können. Auch auf Bedingungen, etwa dass die Objekte dauerhaft ausgestellt werden, könne man nicht eingehen, sagt Berger. Wie pfleglich mit ihnen umgegangen wird, sollen aber im Rahmen der Schau angebotene Einblicke in die Restaurierungswerkstätten zeigen. Bis 21. Februar.

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