Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 18.01.2016


Kunst

Das Böse, das auch gut sein kann

Exponate aus schwarzmagischen Kreisen im Schwazer Museum der Völker.

© chesiDer Beherrscher der Schau: ein grüner Teufel in Menschenform.



Von Edith Schlocker

Schwaz – „Nicht alles, was böse zu sein scheint, ist auch böse“, sagt Gert Chesi und beweist diese Behauptung mit einer kleinen, feinen Ausstellung. In der er in diverse afrikanische und asiatische Kulte eintaucht, die trotz ihrer anachronistischen Archaik teilweise noch sehr lebendig sind. Etwa im Voodoo, wo sich die unterschiedlichsten afrikanischen, islamischen, katholischen und auch indianischen Elemente fröhlich mischen.

Aus diesem Umfeld stammt auch der schlitzohrige grüne Teufel in Menschenform, der in der Mitte der Schau in einer ganz normalen metallenen Schubkarre sitzt. Geschnitzt als skurrile Verkörperung des Bösen vom ghanaischen Künstler Michel Komlan. Sein weibliches Pendant nackt, drall und weiblich. Entführt nach Schwaz wurde diese Hexe aus einem Ahnenschrein.

In afrikanischen Kulten kann eine Sache so sein und auch ganz anders. Das betrifft auch die unzähligen Fetische aus diversen Naturreligionen. Je nachdem, wer sie besitzt, kann ein Objekt heilbringend oder tödlich sein. Ihre Anmutung ist aber immer erschreckend. Da gibt es Skelette, die mit Blut überschüttet sind oder makaber dekorierte Totenköpfe. Der bizarre Kult, menschliche Föten zu präparieren, zu vergolden und zu bemalen, ist zwar verboten, lebt aber im Untergrund bzw. billigen Zitaten der Originale munter weiter. In schwarzmagischen Kulten werden aber auch die thailändischen Puppen verwendet, die ebenfalls in der Schau zu sehen sind. Beschrieben sind diese sorgsam gehegten und gepflegten „Goldkinder“ mit magischen Zauberformeln.

Schaurige Sittenbilder des modernen Afrika sind die von lokalen Künstlern gemalten Plakate für die in Zentralafrika höchst populären Horrorvideos. Die unterschiedlichsten Magien verfilzen hier zu einer von Grausamkeiten strotzenden Mischung, wobei erstaunlicherweise die Eifersucht eine zentrale Rolle spielt. Auch in Michel Komlans Figur der „Liebe“, an deren einem Arm die Eifersucht, am anderen die Habsucht hängt, während auf ihren Schultern die Vergänglichkeit sitzt.