Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 29.04.2016


Kufstein

Urbane Vergänglichkeit von Wörgl im Fokus

Ein „Zuagroaster“ beschäftigt sich mit einem ARTirol-Kunstprojekt sowie der Homepage heimat.woergl.at intensiv mit der Geschichte der Stadt.

Franz Bode (links) und Wörgls Stadtarchivar Hans Gwiggner bei der Arbeit.

© SpielbichlerFranz Bode (links) und Wörgls Stadtarchivar Hans Gwiggner bei der Arbeit.



Wörgl – Eine junge Stadt, aber jahrtausendelang besiedelt – das ist Wörgl. Der dynamische Siedlungsraum hat sich besonders stark seit dem Bau der Eisenbahn im 19. Jahrhundert entwickelt, fast zeitgleich mit dem Aufkommen der Photographie. Fasziniert von diesem Wandel startete der „zuagroaste“ Wörgler Franz Bode, Obmann des Kunstvereins ARTirol, vor einem Jahr ein umfangreiches Projekt: Er begann, alte Photographien zu sammeln und einzuscannen.

Mittels alter und neuer Bilder nimmt er alle Internet-Benützer nun mit auf eine digitale Zeitreise und holte sich dazu u. a. als fachkundigen Geschichtsexperten Wörgls Stadtarchivar Hans Gwiggner mit ins „Cockpit“. Den Wandel sichtbar macht zudem das Kunstprojekt „Urbane Vergänglichkeit“ im öffentlichen Raum Ende Mai 2016.

Über 5400 Fotos, Sterbebilder und Dokumente hat Franz Bode schon auf seiner Festplatte gesichert und befüllt damit nun im Lauf der Zeit den Internet-Auftritt heimat.woergl.at unter dem Dach des Wörgler Stadtarchives.

„Ich habe mich immer für die Geschichte der Orte interessiert, an denen ich lebte“, erzählt Bode. So recherchierte er über zwei Jahre lang die Geschichte der Marterl aus Höttinger Stein, die quer durch Innsbruck aufgestellt sind – sein Buch darüber liegt heute im Heimatarchiv.

Die Initialzündung zu seinem umfangreichen Homepage-Projekt war 2011 die Ausstellung „Wörgl gestern und heute“, bei der Bode, fachlich unterstützt von Hans Gwiggner, historische Stadtansichten aktuellen Fotos gegenüberstellte.

Mit zunehmender Vertiefung in Wörgls Geschichte wuchs auch Bodes Interesse und Freude am Projekt. Er begab sich mit Hans Gwiggner auf Stadtwanderungen, ließ sich von ihm alles Wissenswerte über die Orte erzählen und zeichnete die Gespräche auf.

Zum Start findet man auf heimat.woergl.at ab 27. Mai eine Auswahl an Bildern, gegliedert nach Themen wie Straßen, Häuser, Persönlichkeiten oder Besonderheiten wie das international bekannte Wörgler Freigeld. Eine Erklärung sämtlicher Straßennamen wird ebenso geliefert, an Verstorbene erinnern von A–Z gegliederte alte Sterbebilder.

„Die Homepage soll weiter wachsen. Es würde uns freuen, wenn wir Bilder, Fotos oder Dokumente dafür zur Verfügung gestellt bekommen“, teilt Bode mit, der parallel zur Arbeit am Bildschirm mit der Vorbereitung der ARTirol-­Kunstaktion „Urbane Vergänglichkeit“ vom 27. bis 29. Mai 2016 beschäftigt ist.

Den Auftakt dazu bildet am Donnerstag, 26. Mai 2016, die Aufstellung von 32 alten Ansichten auf 2 mal 3,5 Meter großen Plakatwänden vor den heutigen Gebäuden. Am Freitag, 27. Mai, stehen ab 16 Uhr in der Bahnhofstraße bei den Stationen „Begegnungsstühle“, auf denen Besucherinnen und Besucher Platz nehmen und unter anderem mit Künstlern, Stadtarchivar Hans Gwiggner und weiteren Geschichtskundigen diskutieren können. Geplant sind zudem Führungen für Schulklassen von Bild zu Bild sowie in den Räumen des Heimatmuseums. Die Kunstaktion beinhaltet die Ausstellung von Acrylbildern, die ARTirol-Mitglieder anhand historischer Wörgler Stadtansichten angefertigt haben. Durch das Sichtbarmachen von urbaner Entwicklung des Stadtbildes will der Kunstverein ARTirol Denkprozesse über Architektur und Stadtentwicklung anregen und eine Diskussionsbasis schaffen. (vsg)