Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 08.07.2016


Kunst

Öffentlich, aber für wen?

© Thomas MedicusThomas Medicus macht eine Parkbank vor dem Landestheater zum Ausstellungsstück in der Glasvitrine.Foto: Thomas Medicus



Innsbruck – Im urbanen öffentlichen Raum steht wie kaum anderswo auch das soziale Ungleichgewicht in der Auslage. Was zu Konflikten führt: weil sich so mancher allein vom Anblick, mitunter auch von den Handlungen von am Rande der Gesellschaft stehenden Menschen, etwa von Bettlern und Obdachlosen, gestört fühlt. Reagiert wird darauf nicht nur in Innsbruck mit Verbotszonen: für Bettelei, für Alkoholkonsum abseits der Konsumzone Gastgarten, vielleicht auch bald für anderes mehr. Der öffentliche Raum wird ganz allmählich unter einen Glassturz von Verordnungen gestellt. Wie viel Öffentlichkeit bleibt dann noch? Fragen wie diese will eine Parkbank auf dem Vorplatz des Tiroler Landestheaters aufwerfen. Auch sie steht unter einem Glassturz: „Nehmen Sie Platz!“ steht darauf, hinsetzen und verweilen ist aber angesichts der museal anmutenden Präsentation in einer Glasvitrine unmöglich – egal mit welchem (finanziellen) Background.

Der junge Innsbrucker Künstler Thomas Medicus, Jahrgang 1988, hat mit seiner im Rahmen der Förderaktion „Kunst im öffentlichen Raum“ des Landes realisierten Installation ein eigentlich denkbar simples, aber auch ungeheuer treffsicheres Bild für aktuelle gesellschaftliche Konfliktzonen bzw. die „Kampfzone“ öffentlicher Raum entworfen. Sie gehen für ihn über die Bettlerdiskussion hinaus, hin auch zu anderen demokratiepolitischen Fragen, etwa nach leistbarem Wohnen angesichts horrender Immobilienpreise und der damit einhergehenden Verdrängung sozial Schwächerer, auch Studierender, aus urbanen Zentren.

Medicus hat die Glasfachschule in Kramsach absolviert, Glas ist auch das Material erster autonomer künstlerischer Arbeiten. Mit „Nehmen Sie Platz!“, zu sehen einen Monat lang auf dem Landestheater-Vorplatz und danach ein Stück weiter in Richtung Congress gerückt, habe er sich erstmals auch an gesellschaftspolitischer Kunst versucht, sagt Medicus. Der Versuch ist geglückt. (jel)