Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 02.12.2016


Schwaz

Ein großzügiges Geschenk mit vielen Verpflichtungen

Gert Chesi zieht sich aus dem von ihm gegründeten Museum der Völker zurück und schenkt seine beachtliche Sammlung der Stadt Schwaz.

© museum der völkerGert Chesi in der aktuellen Sonderausstellung im Schwazer Museum der Völker, die Stammeskunst aus Indonesien bzw. Bali gewidmet ist.Foto: Museum der Völker



Von Edith Schlocker

Schwaz – „Ich bin 77 Jahre alt und möchte in Zukunft nur mehr das machen, was mir wirklich Spaß macht“, sagt Gert Chesi, der weltweit umtriebige Schwazer Fotograf und Ethnograf. Und die Leitung des von ihm 1995 gegründeten Hauses der Völker, das sich mit seinem Umzug vor drei Jahren in ein neues Haus zum Museum der Völker gemausert hat, gehört offensichtlich nicht zu diesen Spaßmachern.

Hat Chesi doch Ende September der Stadt Schwaz seine rund 1000 Objekte umfassende, exquisite Sammlung an Objekten afrikanischer und asiatischer Stammeskunst als Geschenk angeboten. Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung vom Oktober einstimmig den Beschluss gefasst, das großzügige Geschenk anzunehmen inklusive der Verpflichtungen, die daraus erwachsen.

Ist der Träger bzw. Verwalter des Museums zwar ein Verein – die Kosten teilen sich mit je 40.000 Euro jährlich allerdings die Stadt Schwaz und das Land Tirol. Den Bund als Subventionsgeber an Bord zu holen, ist bisher nicht geglückt, den Grund dafür ortet Gert Chesi in seiner Person. Verbunden mit der vagen Hoffnung, dass sich das, wenn er von der Spitze des Museums abtritt, ändern wird.

Chesis Rückzug aus dem Museum ist aber nicht nur eine Frage von Lebensqualität, sondern auch von Geld. Denn um den Ausstellungsbetrieb in der Qualität, wie er es sich vorstellt, aufrechterhalten zu können, hat Chesi jährlich 60.000 bis 80.000 Euro an Eigenmitteln in das Haus gepumpt. Und das könne und wolle er sich auf Dauer nicht leisten, so Chesi. Bisher leisten konnte er sich dies auch nur deshalb, weil er bereits vor Jahren einen großen Teil seiner Sammlung an den potenten Grazer Sammler Hanns Schell verkauft und teilweise in andere Objekte reinvestiert hat.

Mit diesen ist – neben Leihgaben der Schell Collection und der Sammlung Lindner – die Dauerausstellung des Museums der Völker bestückt. Sie sind auch Inhalt der Schenkung, deren Wert Chesi angesichts des schwankenden Kunstmarkts nicht beziffern will, der Schwazer BM Hans Lintner allerdings auf rund zwei Millionen Euro schätzt. Er sieht es als Verpflichtung für die Stadt, das einzigartige Lebenswerk Chesis zu bewahren. Wobei für ihn ein Haus, das sich auf höchstem Niveau mit uns fremden Kulturen beschäftigt, in Zeiten von Flucht und Migration wichtiger sei denn je.

Im kommenden März soll nach der Klärung einiger noch offener Fragen der Vertrag mit Gert Chesi unterschrieben werden. Bis dahin gilt es einen neuen Vereinsvorstand auf die Beine zu stellen, wobei sich BM Lintner durchaus vorstellen kann, die Funktion des Obmanns zu übernehmen. Eine noch zu bestellende Geschäftsführung soll zukünftig für das inhaltliche Programm und die wirtschaftliche Gebarung zuständig sein. Diesbezügliche Gespräche sind laut Lintner bereits im Laufen. Der Museumsverein übernimmt die Funktion des Aufsichtsrats, ein Freundeskreis und wissenschaftlicher Beirat – dem auch Chesi angehören wird – sollen gegründet werden.

Der auch zukünftig nicht nur mit großen staunenden Augen filmend durch die Welt reisen will, sondern durchaus bereit ist, weiterhin die eine oder andere Sonderausstellung in „seinem“ Museum zu gestalten bzw. seine unbezahlbaren Kontakte einzusetzen, um Sammler für leistbare Ausstellungen zu gewinnen.

Das Land Tirol hat 2013 in die von Peter Mayrhofer geplante neue Hülle für das Schwazer Museum der Völker 1,5 Millionen Euro investiert.