Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 08.03.2017


Ausstellung

Geheimnisvolle Zwischenwelten

Malereien und Grafiken des jungen Tirolers Robert Freund in der Galerie Goldener Engl.

© Galerie Goldener EnglRätselhafte Momentaufnahmen: „Ikarus“ von Robert Freund, zu sehen in der Galerie Goldener Engl.



Von Ivona Jelcic

Hall – Angst vor Erzählerischem und opulenter Farbigkeit kann man dem 1981 in St. Johann geborenen Maler Robert Freund nicht unterstellen. Im Gegenteil wirft er sich lustvoll genau dort hinein, besonders gern in Großformaten, die wie Bühnenbilder daherkommen. Sie geben vor, detailreiche Erzählungen zu sein, sind aber eigentlich rätselhafte Momentaufnahmen der Fantasie entsprungener, surrealer Zwischenwelten.

Auf den ersten Blick wirken diese Bilder mitunter seltsam anachronistisch. Er wolle, sagt der Künstler, der an der Wiener Akademie bei Hubert Schmalix und Peter Dressler studiert hat, nicht aus der Geschichte der Malerei flüchten. Zu kunsthistorischen Referenzen, etwa auf die Neue Sachlichkeit, gesellen sich – wie in der „Seeräuberjenny“ – auch Bezüge zu Musik und Literatur. Das macht das Angebot an Lesarten reich, zumal Freund auch gern einen gesellschaftskritischen Unterton mitschwingen lässt. Bestechend ist aber vor allem das detailreiche Spiel mit den Möglichkeiten der Malerei, der Wechsel aus grobem und feinem Pinselstrich, die beherzte und zugleich fein austarierte Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Texturen und Farbaufträge.

Neben figurativer Malerei sind in dieser ersten großen Einzelausstellung, die Galerist Gottfried Schmidt dem Künstler in Hall widmet, auch grafische Arbeiten zu sehen. Auch hier interessieren Freund die Möglichkeiten des Mediums, tauchen als Kupferstich getarnte Tuschzeichnungen, kunsthistorische Versatzstücke und Kompositionen etwa aus realistischen Tierzeichnungen mit grafischen und typografischen Elementen auf. Zwischendurch meint man als Bildgrund sogar Geometrisch-Abstraktes auszumachen, das sich dann als zeichnerische Versuchsanordnung mit den geometrischen Grundfiguren des Penrose-Parketts entpuppt: Freund interessiert sich dafür, was passiert, wenn ein Teil aus dem System fällt.