Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.06.2017


Tiroler Landesmuseen

Ein Dach für Tirols Gedächtnis

Schätze hinter Schleusen: Am 8. September wird das Sammlungs- und Forschungszentrum der Tiroler Landesmuseen eröffnet. Gestern gab es exklusive Einblicke in die „Schatzkiste“.

Mehr als 5000 Gemälde sollen nach Abschluss des Umzugs im Sammlungs- und Forschunzgszentrum ihren Platz finden.

© Rudy De Moor / TTMehr als 5000 Gemälde sollen nach Abschluss des Umzugs im Sammlungs- und Forschunzgszentrum ihren Platz finden.



Hall – Hat wer einen Schilling parat? Dann könnte man die schmucke Jukebox anwerfen, sich in Schlagern verlieren und jene Zeiten hochleben lassen, in denen Roy Black noch am Leben war und Wurlitzer nicht mit nostalgischem Blick beäugt wurden. Doch halt – fürs Kramen nach der alten Währung bleibt keine Zeit, Landesmuseen-Direktor Wolfgang Meighörner zieht schon weiter zum Regal mit den antiquiert anmutenden Computern, die sich an Transistor-Radios schmiegen und vis-à-vis einer wuchtigen Waschmaschine geparkt sind.

Aber das ist nur eine von vielen Gehirnwindungen, die „Tirols Gedächtnis“ zu bieten hat. So will Landeshauptmann Günther Platter das Sammlungs- und Forschungszentrum verstanden wissen, das am 8. September eröffnet wird – und in das es gestern exklusive Einblicke für Pressevertreter gab. Doch den Rundgang durch den 24 Millionen teuren Bau, der auf 14.500 Quadratmetern kulturelle, naturwissenschaftliche und technische Schätze der vergangenen 200 Jahre archiviert, ließ sich auch die Politik nicht entgehen. Und so schwärmte Landeshauptmann Platter vom „Rückgrat des Landes“, lobte Kulturlandesrätin Beate Palfrader die „museale Knochenarbeit“ und pries Hochbaulandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf das „imposante Herzeigestück“ an, das an eine halb versenkte Schatztruhe gemahnen soll. Der Vergleich ist stimmig: Denn sobald der Umzug abgeschlossen ist, lagern Objekte im Gesamtwert von mehr als einer Milliarde Euro im Bauch des anthrazitfarbenen Gebäudekomplexes, der oberhalb der Optikerschule in Hall auf einem landeseigenen Grundstück entstanden ist. Und einem Hochsicherheitstrakt gleicht: Die unterschiedlichen Depots, die auf drei Etagen – zwei davon unterirdisch – verteilt sind, verbindet ein komplexes Schleusensystem, das optimale klimatische Bedingungen verspricht. In der Gemäldesammlung, in der mehr als 5000 Bilder Platz finden sollen, darf die Temperatur 19 Grad nicht überschreiten, streng überwacht wird auch die Luftfeuchtigkeit – Schäden will man keine riskieren.

Mit einem Restrisiko verbunden ist indes der aufwändige Umzug, der noch lange nicht abgeschlossen ist. Kein Wunder: Aus elf Depots, die auf acht Standorte verteilt waren, müssen nun die Preziosen unter ein Dach zusammengeführt werden. Eine logistische Herausforderung, die voraussichtlich erst im Februar 2018 abgeschlossen sein wird. Da ist „Tirols Gedächtnis“, das neben den Depots auch Platz für Werkstätten, Labors und Büros bietet, längst in Betrieb und haben neben 37 Angestellten auch etliche ehrenamtliche Mitarbeiter ihren Dienst aufgenommen – unter anderem um ein Auge auf die umfangreiche naturwissenschaftliche Sammlung zu werfen, zu der auch eine Million Schmetterlinge zählen.

Wo Sammlungs- und Forschungszentrum draufsteht, ist aber kein Museum drin, wie Direktor Meighörner betont. Bewusst habe er hier kein „gefaketes Depot“ zu Anschauungszwecken installieren wollen, die Landesmuseen böten mit 15.000 Quadratmetern bereits genügend Ausstellungsfläche. Die breite Öffentlichkeit wird das Gebäude also hauptsächlich von außen zu sehen bekommen – zu Forschungszwecken können Laien und Profis aber mit dem Tiroler Landesmuseum Kontakt aufnehmen. Oder auf den 9. September warten. Da ist nämlich ein Tag der offenen Tür angesetzt. Geht’s nach Platter, soll der aber keine Eintagsfliege bleiben. Gut möglich, dass der Schatzkisten-Deckel fortan doch öfter aufgeht. (fach)