Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 26.07.2017


Osttirol

Freiraum für künstlerische Prozesse

Ab 31. Juli arbeiten fünf heimische Künstler an den ersten Exponaten für den Skulpturenpark Virgen. Am Ende des zweiwöchigen Symposiums wird die Steinbildhauerwerkstätte auf dem Sägewerk-Areal mit einem Fest eröffnet.

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© Andre Greb



Von Claudia Funder

Virgen – Es scheint ein fruchtbares Terrain für Kreativität zu sein, das Virgental. Hier ist die Dichte an Künstlern, speziell an Bildhauern, besonders groß. Eine Gruppe von ihnen findet auch immer wieder zu gemeinsamen Aktionen zusammen. Etliche konzertierte Initiativen wurden in den vergangenen Jahren aus dem Boden gestampft.

Um der Kunst im Tal einen kräftigen Schub zu verpassen, wurde eine offene Werkstätte auf dem Gelände eines alten Sägewerks in Virgen errichtet. Impulsgeber war der Virger Bildhauer Michael Lang, der gern in großer Dimension arbeitet und denkt. Er trieb die Umsetzung des Vorhabens engagiert mit seinen Kollegen voran. Nach drei Jahren Vorarbeit war das Projekt 2016 umgesetzt. Die Künstler sind zehn Jahre lang Pächter des Areals, das die Gemeinde gekauft hatte.

Entstanden ist hier buchstäblich ein Freiraum für den kreativen Prozess, aber auch für Austausch. In der offenen Werkstätte können sich die Künstler nun uneingeschränkt austoben und auf die Gestaltung ihrer Werke fokussieren, was in den eigenen Ateliers aufgrund von Lärm und Staub nicht immer in diesem Ausmaß möglich ist.

Heuer öffnet sich diese bemerkenswerte „Kunstschmiede“ in Virgen besonders weit: Im Rahmen des Steinbildhauersymposiums „Skulp-Tour“ kann jedermann beim Entstehen von Kunst für ein spezielles Projekt zuschauen. Fünf Bildhauer – Michael Fuetsch, Lukas Fuetsch, Gerold Leitner, Michael Lang und Alois Oberwalder – arbeiten ab 31. Juli zwei Wochen lang an den ersten Werken für den Skulpturenpark Virgen, der auf der „Tratte“ an der Isel entsteht. Der Großteil der Werke werde aus Stein sein, verrät Gerold Leitner im Gespräch mit der TT. Er selbst arbeite mit Holz. Das für die Kunstwerke verwendete Ausgangsmaterial reiche von Marmor bis zu Kastanienholz.

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Die Werkstätte wird in diesen zwei Wochen wohl zu einem besonders lebendigen Begegnungsraum werden. Alle Interessierten sind eingeladen, sich von 31. Juli bis 12. August täglich außer Sonntag von 8 bis 18 Uhr ein Bild von den spannenden Entstehungsprozessen zu machen, die hier vonstatten gehen.

Am Freitag, 4. August, findet ein Literaturabend zwischen Lagerfeuer und Stein mit Sylvia Ebner statt.

Und am Ende des Symposiums werden die Bildhauerwerkstätte und der Skulp-turenpark am 12. August um 19 Uhr eröffnet – mit einem facettenreichen Kunst- und Kulinarikfest.

Neben der Präsentation der Exponate für den Skulpturenpark und einer großen Sonderschau mit Werken der genannten Künstler und des Malers Othmar Trost in der Halle neben der Werkstätte gibt es auch eine Fotoausstellung von Hannes Berger und Daniel Egger.

Zudem wird Schmackhaftes geboten. „Einheimische Gastronomen werden vor Ort kochen“, erzählt Michael Lang. Und für den passenden Sound zum Eröffnungsfest sorgt die holländische Bluesband Bag of Bones. Einer der Musiker ist übrigens der Aineter Daniel Lottersberger.

Die Idee hinter der Werkstätte ist aber auch ein weiteres Puzzleteil der Bemühungen, die Abwanderung zu stoppen. Den heimatverbundenen Künstlern ist es ein Anliegen, dass die Leute im Tal bleiben – und auch ins Tal kommen. Die Bildhauerwerkstätte soll Beitrag und Anreiz dazu sein.

Das Projekt solle auch zeigen, „Kunst funktioniert nicht nur in der Großstadt, sondern auch im Tal“, bringt es Gerold Leitner auf den Punkt.

Das diesjährige Symposium wird der Anfang einer Reihe sein, die angepeilt wird. Denn die kreativen Pächter denken schon viel weiter voraus. Ab Sommer 2018 sollen auch internationale Künstler beim Bildhauersymposium dabei sein, plant Lang. Der Skulpturenpark werde wachsen, sich jedes Jahr mit einem anderen Gesicht präsentieren.

Und die offene Werkstätte? Die wird wohl noch Ausgangspunkt für etliche spannende Kunstprojekte sein.