Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 19.10.2017


Ausstellung

Stille Blicke durchs Schlüsselloch

Michael Ziegler zeigt im Fotoforum seine Fotografien, auf denen Reales gern in rätselhafte Traumwelten kippt.

© Michael Ziegler



Innsbruck – Es empfiehlt sich, näher zu kommen. Noch ein bisschen näher. Und vielleicht noch ein bisschen. Dann erst kann das Auge in diese Miniaturen eintauchen, die äußere Realität mit inneren Vorstellungen verschwimmen. Im besten Falle. Der tatsächlich nicht selten der Fall ist. Michael Ziegler zwingt den Betrachter mit seinen sehr kleinen Bildformaten zu konzentriertem Schauen – ein wenig wie beim Blick durchs Schlüsselloch.

Seine Beobachtungen macht Ziegler in seiner unmittelbaren Umgebung: Arbeiter auf einem Dach, zwei über der Teppichstange erstarrte Läufer, ein schwarz-weiß geschecktes Pferd auf schneescheckiger Koppel. Doch es wäre zu kurz gegriffen, Zieglers Bilder als die eines Flaneurs zu bezeichnen. Oft macht er eine Beobachtung, notiert sich Uhrzeit und Lichtverhältnisse, um zu einem anderen Zeitpunkt zurückzukehren und – stets analog – zu fotografieren, was für ihn ganz im etymologischen Wortsinn auch das Zeichnen mit Licht bedeutet.

Häufiger denn als Fotograf tritt der 1960 in Oberösterreich geborene, seit Langem in Innsbruck lebende und arbeitende Künstler als Maler und Zeichner metaphernreicher Bildgeschichten und intimer Menschenbilder in Erscheinung. Die Fotografie, ebenfalls fester Bestandteil seiner künstlerischen Praxis, will er eigenständig betrachtet wissen, nie würde er etwa Fotografien als Vorlagen für seine Malerei verwenden, sagt Ziegler. Natürlich gibt es trotzdem Berührungspunkte, etwa dort, wo Reales in Surreales kippt – oder vermeintlich surreale Inszenierungen sich als reale Beobachtung entpuppen, wie jene zwei Suppenteller, in denen rohe Eier schwimmen. Das Rätsel, wer das lodernde Feuerchen vor der verschneiten Parkbank entzündet hat, öffnet wiederum Raum für Geschichten im Kopf. Den Menschen hält Ziegler auf seinen Fotografien im Übrigen eher auf Distanz. Und mit dem kleinen Format, sagt der Künstler, halte er sich ein wenig auch die Last von 150 Jahren Fotografiegeschichte mit ihren Heroen vom Leib – und begegnet ihr mit seiner ganz eigenen, stillen Sicht auf die Welt. Sie titelt „My eye feels out echoes“, eröffnet wird heute Abend (18.30 Uhr) im Fotoforum. (jel)