Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 03.02.2018


Kunst

Ein Augenschmaus par excellence

Wiedersehen mit Fritz von Herzmanovsky-Orlando in der Innsbrucker Galerie Flora.

© Galerie FloraFritz von Herzmanovsky-Orlando: „München 1921“.



Innsbruck – Durch die gezeichnete Welt von Fritz von Herzmanovsky-Orlando zu flanieren, ist immer wieder ein Fest für die Augen. So köstlich bös nimmt der vor 141 Jahren geborene Wiener die bessere Gesellschaft seiner Zeit aufs Korn, die er als Teil dieser selbst bestens kannte. Dass Paul Flora ein großer Fan Herzmanovskys war, verwundert nicht. Waren sie doch trotz aller Unterschiedlichkeit sehr gleich in dem, was sie am besten konnten: zeichnend über die Welt und ihre Bewohner zu lästern.

Wie Fritz von Herzmanovsky-Orlando, der 1914 seiner fragilen Gesundheit wegen ins damals noch feudale Meran übersiedelte, das getan hat, führt eine wunderbar bestückte Ausstellung in der Innsbrucker Galerie Flora vor. Für deren Besuch man sich Zeit nehmen sollte. Entführt jede der 51, teilweise kolorierten Zeichnungen doch in eine Welt, die längst vergangen ist. Und es so wohl auch nie gegeben hat, stilisiert der Meisterzeichner die dekadente, tanzende und tarockierende Gesellschaft doch zur schrillen Karikatur. Zelebriert als Abgesang auf eine Gesellschaft, die vor ihrem unausweichlichen Sterben noch einmal kräftig auf den Putz haut.

Die Damen sind in Herzmanovsky-Orlandos Zeichnungen gern jung, nackt und prall, die Herren alt und trotz ihrer offensichtlichen Senilität geil. Aber auch allerhand skurril Zwittriges, aus der Antike bekannte Götter und schräge Fabelwesen tummeln sich in den aus dekorativen Versatzstücken gebauten Kulissen. Der Literat Herzmanovsky-Orlando outet sich in den Titeln der Zeichnungen, die diesen an hintergründiger Poesie in nichts nachstehen. (schlo)