Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 24.04.2018


Kunst

Delikates Schattenspiel

Maria Vills Kunst im Gang der Theologischen Fakultät: Variationen um das A und Ausflüge in den Raum.

© maria villErstmals öffentlich zu sehen: Licht-Bilder von Maria Vill.Foto: Maria Vill



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Hört man von einer neuen Ausstellung von Maria Vill, ist man automatisch neugierig darauf, welche neuen Verwandlungen des A der Tiroler Konzeptkünstlerin wieder eingefallen sind: jedenfalls so manches noch nie Gesehenes, auf kleine und große Quadrate Gemaltes und neuerdings auch in Holz Geschnittenes oder aus Gips Gegossenes. Seriell nebeneinander in den wunderschönen, 110 Meter langen Gang – den die Theologen seit Jahren der Kunst zur Verfügung stellen – gehängt oder gestellt.

Das Spiel, das Maria Vill in diversen Nuancen eines mehr oder weniger ins Graue driftenden Weiß hier entwickelt, ist spektakulär im Minimalen. In der Variation des scheinbar Gleichen, das nie Dasselbe ist. Ist das A doch immer irgendwie anders, letztlich nur ein Vorwand, um mit Linien zu spielen, sie fast aufzulösen, sie auf jede nur mögliche Art und Weise zu dekonstruieren.

Bei den Stelen entwickelt die Künstlerin dagegen ein rein lineares Spiel um das A, zelebriert auf jeweils vier Seiten eines Würfels, die, indem vier von ihnen aufeinandergestapelt sind, zur Stele werden, und die sich, weil auf einem Spiegel stehend, virtuell verdoppeln.

Bei den vielen kleinen Fotos, die Maria Vill in den Kunst-Gang gehängt hat, wagt die Künstlerin einen Schritt in den Raum. Basis aller Arbeiten ist derselbe kleine, aus einer transparenten Folie gebaute Würfel, der auf einem weißen Papier liegt und dessen Seitenflächen in den unterschiedlichsten Winkeln geöffnet sind. Inszeniert aufregend unaufgeregt durch Licht, um durch dessen Reflektionen ein delikates Schattenspiel mit Linien, Flächen, Räumen und Farben entstehen zu lassen.




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