Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 04.05.2018


Kunst

Das Glück auf zwei Rädern

Eine Schau zum Thema Fahrrad erweckt das Zeughaus aus seinem Dornröschenschlaf.

© Wolfgang LacknerDie historische Sammlung des Zeughauses wird wieder belebt. Die kleine, aber feine thematische Schau zum Fahrrad bietet allerhand Anknüpfungspunkte in die Gegenwart.



Innsbruck – Nachdem 2017 für eine Wechselausstellung im Innsbrucker Zeughaus aufgrund der anberaumten, aber nicht realisierten Umbaupläne kein Budget vorgesehen war, wird der schmale Ausstellungsraum im Erdgeschoß nun wieder neu bespielt. Die UCI Straßenrad WM, die im September in Tirol gastiert, bot den gegebenen Anlass, um ein scheinbar alltägliches Thema kulturhistorisch aufzubereiten und die historische Sammlung im Zeughaus neu zu beleben. Die gestern eröffnete Ausstellung „Frischluft? Freiheit! Fahrrad!“ widmet sich also dem Drahtesel und seiner Geschichte. Und diese gliedert Kuratorin Claudia Sporer-Heis chronologisch und zugleich nach thematischen Aspekten. Eine Entwicklung, die bis in die Gegenwart verfolgt werden kann.

Seinen Ursprung hat das Fahrrad vor etwa 200 Jahren mit der Erfindung der Draisine. Karl Freiherr von Sauerbronn hatte 1816 tatsächlich aufgrund einer Pferdeknappheit auf eine hölzerne Laufmaschine umgesattelt: Der einfache Gedanke dahinter war, sich mithilfe eines Sitzes auf Rädern mit den Füßen auf dem Boden fortzubewegen. Die historischen Exponate, Originale sowie Nachbauten, werden in der Zeughaus-Schau mit Versatzstücken aus der Gegenwart, etwa einem modernen E-Bike, kontrastiert. Eine Herangehensweise, die dem Besucher klarmacht, dass sich das Fahrrad zum heute für jedermann verfügbaren Freizeit- bzw. exklusive­n Luxusgerät entwickelt hat.

Neben der kulturhistorischen Ausrichtung des Themas soll der soziokulturelle Aspekt nicht außer Acht gelassen werden: Die individuelle und ökologische Art der Fortbewegung veränderte den Straßenverkehr und bietet bis heute Stoff für Diskussion. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion wird die Ausstellung am 4. Oktober deshalb die Frage „Wie fahrradfreundlich ist Innsbruck?“ aufwerfen.

Die Anknüpfungspunkte der Schau in die Gegenwart und nach Tirol sind also ambitioniert und reichen von Vorträgen, Workshops bis hin zum Fotowettbewerb. Allesamt Formate, die bei rückläufigen Besucherzahlen Aufmerksamkeit generieren sollen. Die Besucher erwartet in jedem Fall ein­e ungewöhnlich interessante Auseinandersetzung mit einem Alltagsgerät, dem man so viel Potenzial nicht zugetraut hätte. Verpackt in eine kleine, dichte, aber gut zugängliche Schau, die eine neue Ausstellungssaison im Innsbrucker Zeughaus einläutet. (bunt)




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