Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 14.05.2018


Kunst

Wer in ihre Hütte darf, bestimmt sie allein

Die besseren Hälften der stolzen Maasai: zehn afrikanische Frauengeschichten im Schwazer Museum der Völker.

© mdvMaasai-Frauen beim Bau einer Hütte, in der eine von ihnen mit ihren Kindern leben wird.Foto: MDV



Von Edith Schlocker

Schwaz – Gert Chesi hat die Ausstellungen in dem von ihm gegründeten Schwazer Museum der Völker immer am Abend eröffnet, seine Nachfolgerin Lisa Noggler-Gürtler tut dies im Rahmen von Matineen. Nur eines der Zeichen, dass die neue Ära dieses einzigartigen Museums anders ist, einen neuen Ansatz in der Auseinandersetzung mit fremden Kulturen verfolgt. Um einen spannenden Dialog anzuzetteln, auch mit uns selbst.

Was so manchen nicht passt, die sich schwertun, sich auf neue Konzepte einzulassen, um, anstatt neugierig auf die Geschichten von lebendigen Menschen zu sein, den Relikten untergegangener Kulturen nachzutrauern. Die es dank der Großzügigkeit von Gert Chesi im Museum der Völker ohnehin immer geben wird.

Er jedenfalls feierte bei der Matinee kräftig mit, mit der die Sonderausstellung „Maasai – Baumeisterinnen aus Ololosokwan“ eröffnet worden ist. Die von Cornelia Faißt kuratierte und bereits im Frauenmuseum Hittisau gezeigte Schau ist eine Initiative des Vereins SIDAI, der sich für die Verbesserung der Lebensverhältnisse der Mädchen und Frauen aus dem Stamm der Maasai einsetzt. Ihre Männer sind als Klischee des schönen stolzen Schwarzen nicht zuletzt durch in der Kolonialzeit spielende Filme ein Begriff, der allerdings mit der harten Lebenswirklichkeit wenig zu tun hat, über ihre Frauen weiß man aber überhaupt nichts.

Und genau um sie geht es in der Schwazer Schau, im Speziellen um zehn Baumeisterinnen. Sie sind unterschiedlich alt, unterschiedlich groß, gehüllt in bunt gemusterte Tücher und geschmückt mit den von ihnen aus kleinen Perlen gemachten Ketten. Ihre jeweilige Körpergröße gibt den Grundriss für die aus Naturmaterialien bzw. neuerdings auch aus Kunststoff und Blech gebauten Hütten vor, in denen sie mit ihren Kindern leben.

Der Besucher steht den in Lebensgröße fotografierten Frauen in der Ausstellung Aug’ in Aug’ gegenüber. Wer in ihre Hütte kommt, bestimmen allein sie. Die Regeln des sozialen Zusammenlebens sind streng. Die Männer dürfen so viele Frauen haben, wie es die Anzahl ihrer Rinder ermöglicht, die Frauen können sich Liebhaber nehmen. Die weibliche Genitalbeschneidung ist zwar verboten, aber noch immer die Regel. Eine Tradition, die sich als einmal erfreuliche Konsequenz der Globalisierung langsam aufweicht.

Die Besucherzahlen des Museums der Völker sind seit seinem Neustart steigend, „es gibt aber noch sehr viel Luft nach oben“, so Lisa Noggler-Gürtler. Die es als Anerkennung für ihren Weg deutet, dass das Museum seit fünf Jahren zum ersten Mal wieder eine Subvention vom Bund bekommen hat.