Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 02.06.2018


Kunst

Ein Medium, das das Sehen lehrt

Die Grafik in all ihrer Vielfältigkeit ist aktuell Thema in der Innsbrucker Galerie artdepot.

© artdepotDie Vielfalt grafischer Arbeiten auf Papier: Bei den Werken des Osttirolers Helmut P. Ortner wird die Schrift zum Bild und der handelsübliche Buchdeckel zum Bildmedium.



Innsbruck – Bewusst offen gehalten ist der Titel „Meister der Grafik“. Dementsprechend vielfältig ist auch die Auswahl, die Birgit Fraisl in der aktuellen Ausstellung im artdepot zeigt. Ebenso bewusst ist die feine Streuung der großen Namen der österreichischen Kunst der Nachkriegszeit mit u. a. Max Weiler, Günter Brus, Hermann Nitsch oder Arnulf Rainer. Ihnen gegenüber steht der nicht minder talentierte Nachwuchs, der Grafik für seine eigenen Zwecke verwendet. Medial bewegen sie sich auf neuen Bildträgern und machen sich andere Themen zu eigen. Die jüngere Generation verweigert sich aber auch nicht dem Einfluss der Älteren.

Werden sie einander gegenübergestellt, entsteht ein harmonisches Miteinander: Thomas Palme etwa trägt den Aktionismus von Brus weiter (dieselbe Konstellation, erweitert um Egon Schiele, ist aktuell auch im Leopold Museum zu sehen). Immer wieder gibt es aber Einzelpositionen, die he­rausstechen: Zentral steht in der artdepot-Schau ein Blatt von Bruno Gironcoli, genau wie die zarten Kaltnadelradierungen der Polin Monika Cichon oder die symbolträchigen Collagen von Esin Turan. Wa­rum Grafik, ist angesichts dieser Auswahl leicht beantwortet: „Es bleibt eben die ideale Gattung“, so Galeristin Fraisl, „um endlich wieder richtig sehen zu lernen.“ (bunt)




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