Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 04.06.2018


Kunst

Ein Selfie vor Landschaftskulisse

„Kunst im öffentlichen Raum“ von Yuku Higashino und Elisabeth Kihlström in Patsch.

© künstlerschaftAcht eigenartige „Pflanzen“ stehen seit Kurzem auf einer Wiese unterhalb von Patsch.Foto: Tiroler Künstlerschaft



Von Edith Schlocker

Patsch – Acht eigenartige, riesige „Pflanzen“ stehen seit einigen Tagen auf einer Wiese in Patsch. Ihre gebogenen „Stängel“ sind schwarz, ihre „Blüten“ kreisrund. Diese stellen sich bei genauerem Beäugen allerdings als konvex nach außen gewölbte, dunkel getönte Spiegel heraus, in denen sich der Beschauer genauso spiegelt wie jener Teil der Landschaft, auf den die „Blüte“ ausgerichtet ist. Denn jede der „Pflanzen“ schaut in eine andere Richtung.

„Landscape is Picture“ heißt die von Yuki Higashino und Elisabeth Kihlström erfundene Installation, die 2016 aus 50 Einreichungen im Rahmen der Landes-Förderaktion „Kunst im öffentlichen Raum“ neben den Projekten von Katharina Cibulka, Andrea Lüth und Tanja Ostojic zur Realisierung ausgewählt worden ist.

Yuki Higashino und Elisabeth Kihlström geht es bei „Landscape is Picture“ um das Bild, das über das Medium der Malerei seit Jahrhunderten von dieser entworfen wird. Im Fall der Patscher Installation „aufgehängt“ am so genannten „Claude-Glas“, durch das die frühen Landschaftsmaler des 18. Jahrhunderts das von ihnen ins Auge gefasst Sujet erstmals betrachteten, um das, was sie durch die Wölbung des Spiegels sanft verzerrt sahen, dann zu malen. Mit dem Ziel, das Gesehene auf diese Weise für die Betrachter „malerischer“ daherkommen zu lassen.

Den beiden Künstlern geht es in ihrer Arbeit allerdings nicht etwa um nostalgische Sentimentalitäten, sondern um einen sehr direkten Bezug zum Heute. Orten sie in den „Claude-Gläser“ von gestern doch starke Bezüge zur heutigen Praxis, die Welt ebenfalls durch schwarze Spiegel, allerdings die unserer Smartphones, zu betrachten. Um beim Blick in die auf der Patscher Wiese stehenden schwarzen Spiegel sich ganz in der Position von jemandem zu fühlen, der gerade ein Selfie von sich macht. Mit teilweise noch schneebedeckten Bergen, grünen Tälern und Wegen, aber auch einem Kran oder der Mautstelle der Autobahn im Hintergrund. Was die Erhabenheit des Eindrucks doch einigermaßen erdet.