Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 20.06.2018


Wiltener Kultursommer

Spuren der Begegnung auf fliegenden Teppichen

„MagiC Carpets“ werden heute in Wilten ausgerollt: Sie sollen helfen, Barrieren zwischen Einheimischen und Fremden kunstvoll zu überwinden.

© Danijela TonkovicSoll Menschen kunstvoll aus dem Gleichgewicht bringen: ein Möbel von Daniela Palimariu auf dem Weg zu einem "Sonnentreffpunkt".



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Kunst erobert heute Nachmittag im Rahmen des Wiltener Kultursommers unter dem Titel „Balance – Kunst im öffentlichen Wilten“ diesen Teil der Stadt. Indem zwischen 14 und 20 Uhr an fünf Stationen „MagiC Carpets“ sozusagen als „Spur der Begegnung für Menschen ausgerollt werden, die zwar sehr nah beieinander leben und sich doch nicht kennen“, so Charly Walter, der Leiter von openspace.innsbruck. Verein zur Förderung der Alltagskultur (ehemals styleconception) und Gastgeber des von Danijela Tonkovic koordinierten Projekts.

An dem 13 EU- bzw. EU-Kandidatenländer im Rahmen eines europäischen Residency-Programms teilnehmen. Wobei „MagiC Carpets“ erstaunlicherweise das erste im Rahmen der Initiative „Kreatives Europa“ mit EU-Geldern geförderte Projekt ist, das in Tirol stattfindet. 80 Prozent der Kosten von 26.000 Euro kommen aus Brüssel, den Rest hoffen die Veranstalter von Stadt und Land zu bekommen.

„Geboren“ wurde die Idee zu „MagiC Carpets“ im vergangenen Jahr in Kaunas anlässlich der Nominierung der litauischen Stadt zur „Europäischen Kulturhauptstadt 2022“. Mit dem Ziel, eine Plattform für junge europäische KünstlerInnnen zu installieren. Jede der teilnehmenden Institutionen nominiert bis zu zehn, die auf Einladung einer Partner-Institution dann mehrere Wochen in einem für sie komplett neuen sozialen und kulturellen Umfeld arbeiten.

Im Fall von Innsbruck sind dies die 25-jährige Georgierin Ninutsa Shatberashvilis, die mit drei Sitzelementen in der Form georgischer Buchstaben das Wiltener Platzl möblieren wird. Um auf diese Weise eine Situation zu schaffen, die für alle fremd ist. Für die Tiroler genauso wie für die rund 300 Menschen, die seit zwei Jahren im Wiltener Flüchtlingsheim leben. Die „Sonnentreffpunkte“, die die Rumänin Daniela Palimariu vor dem Open Space in der Mentlgasse 12a, in der Unterführung Karmelitergasse und beim Flüchtlingsheim in der Graßmayrstraße positionieren wird, sind dazu da, die auf diesen sehr speziellen Möbeln Sitzenden erstmals aus dem Gleichgewicht zu bringen, bevor sie sich mit ihren Mit-Sitzern neu einrichten.

Mit Matthias Krinzinger bringt sich auch ein junger Tiroler Künstler in das Projekt ein. Er stellt am verwaisten Spielplatz Frauenanger eine 2,80 Meter hohe Rutsche auf, um den im Zug der Einrichtung des Flüchtlingsheims installierten rund zwei Meter hohen Zaun spielerisch zu überwinden.

In die Aktion, die mit Mitteln der künstlerischen Intervention Barrieren zwischen Einheimischen wie Fremden abbauen soll, klinken sich aber auch die Tiroler Künstlerin Michelle Schmollgruber und das Künstlerkollektiv Wildwuchs ein. Schmollgruber veranstaltet zwischen 14 und 16 Uhr am Spielplatz Frauenanger einen für Kinder und Erwachsene offenen Masken-Workshop. Wildwuchs startet um 14.30 bzw. 16.30 Uhr eine performative Tour am Wiltener Platzl, die alle fünf Stationen umfasst und um 19.30 Uhr vor der Galerie KOOIO in der Mariahilf­straße anlässlich der Eröffnung einer Ausstellung des Künstlerkollektivs enden wird.