Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 02.07.2018


Kunst

Der Raum und die subjektiven Welten im Kopf

Eva Schlegel zeigt in der Kunsthalle Krems und in der Dominikanerkirche von Krems Fotografien, Videos und Rauminstallationen.

© Kunsthalle Krems/Sabha„Cloudspace“ gibt sich als Pavillon und lädt Besucher zu neuen räumlichen Erfahrungen ein.



Von Ursula Philadelphy

Krems – Eva Schlegel und die Kunsthalle Krems, das ist eine schon etwas längere Beziehung, hat sie doch bereits 1998 für die Zentrale Halle und vor die von Adolf Krischanitz entwickelte Rampe eine Glaswand mit verschwommenen, nicht entzifferbaren Schriftzeichen gestellt. Durch die Unschärfe, mit der Schlegel gerne arbeitet, verweigert sie dem Betrachter die einfache Entschlüsselung ihrer Arbeit via Text und unterbindet dadurch auch jegliche Form von Erzählung. Schrift wird zu geheimnisvollen Zeichen, bleibt aber zugleich doch eine Art Struktur der Wirklichkeit und wird als Text erkannt, allerdings als einer, der im Raum zu schweben scheint, was ihm eine ungeahnte Dimension verleiht. „Die Grenze zwischen Erscheinen und Verschwinden wird nicht definiert“, bleibt also dem Betrachter überlassen. Und genau diese Abstraktionsebene ist es, die fasziniert. Die Materialität des Glases ist deshalb für die Künstlerin wichtig, weil sie ihre Arbeit immer auch als eine „Untersuchung des Raumes“, und zwar sowohl „des architektonischen wie auch des immateriellen“, sieht.

Das Glas ermöglicht es aber auch, verschiedene Texte zu überlagern. Schlegel fasziniert dabei „die Interferenz verschiedener Textsysteme, die einen fast architektonisch tiefen, spiegelnden Raum bilden, in dem sich der Betrachter mit seinem Umraum spiegelt.“

Die Ausstellung „SPACES.EVA SCHLEGEL“, kuratiert von Andreas Hoffer, widmet sich ganz dem Raum als zentrales künstlerisches Thema und wirft einen intensiven Blick auf die aktuellen Arbeiten der Medien- und Objektkünstlerin. Sämtliche Videos, Fotografien und Rauminstallationen stammen aus den letzten fünf Jahren, und auch die Glaswand wurde vergangenes Jahr, im Zuge der Renovierung der Kunsthalle Krems, von Schlegel adaptiert.

Eine aktuelle Serie großformatiger Fotografien, bei denen sie die Architektur von Innenräumen durch Unschärfe, kombiniert mit Licht- und Schattenzeichnungen, fast immaterialisiert, schlägt in die gleiche Kerbe und führt an die Grenzen gängiger Wahrnehmung. Der Spannungsbogen entwickelt sich einerseits durch das Großformat, andererseits durch die fast imaginative Inszenierung von Innenräumen, die durch die extreme Abstrahierung gar nicht immer sofort als solche erkannt werden. Die üblichen rationalen Betrachtungsebenen fehlen, was zu einem fast poetischen Seherlebnis führt.

In der Zentralen Halle werden drei Beispiele des filmischen Oeuvres von Eva Schlegel gezeigt. Es ist ein kreativer Mix aus fliegenden, schwebenden und fallenden Menschen, schwarzen Löchern und roten Punkten, die wie „Morsezeichen von Kosmonauten“ rüberkommen; es sind „Notsignale“, so Schlegel. In vielen Gesprächen mit Fachleuten kristallisierte sich nämlich heraus, dass es im All definitiv nicht idyllisch ist – „man fühlt sich alleine im All!“. Mit diesen fliegenden Aspekten bezieht sich die Künstlerin, wie sie erzählt, aber auch ganz prinzipiell auf ihr persönliches Empfinden während einer kreativen Phase, denn „ich fliege in Gedanken, wenn ich eine neue Idee entwickle“.

Eine echte Herausforderung sah Schlegel übrigens im Bespielen der Dominikanerkirche, da sie zu diesem Raum keine besondere Beziehung hatte. Zwei raumgreifende Installationen mit Spiegeln sind ihre Antwort auf den ehemals sakralen Raum, der dadurch komplett neu erlebbar und in ungeahnten Dimensionen ausgelotet wird. Vor allem die lange, schmale und lichtdurchflutete Apsis wird durch die gespiegelten Fragmentierungen sehr spannend.




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