Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 05.07.2018


Kunst

Sein Unwissen malend erkunden

Matthias Bernhard zeigt in der Reither Galerie Schmidt seine „Wundersamen Heimlichkeiten“.

© galerie schmidt„Die Früchtekralle“ nennt Matthias Bernhard dieses für ihn typische Bildobjekt.Foto: Galerie Schmidt



Von Edith Schlocker

Reith, Alpbachtal – Matthias Bernhard ist ein Wilder. Lustvoll drückt er den Inhalt prall gefüllter Farbtuben auf Leinwände oder Hölzer, um in die auf diese Weise entstehenden Farbgebirge gern noch mit den Fingern zu bohren bzw. sie mit kleinen Fundstücken zu collagieren. Was in diesen allein vom Bauch gesteuerten Malaktionen entsteht, ist wunderbar bunt, höchst dekorativ bis an die Grenze des Mustrigen und nur wenig assoziativ.

Was der junge in Wien lebende Unterländer, der bei Gunter Damisch studiert hat, aber auch gar nicht sein will. Fühlt er sich als Kunstmacher doch als Spurensucher, um letztlich malend das zu erkunden, was er nicht weiß. Wahrscheinlich auch der Grund, dass Bernhard seinen Bildern erst, wenn sie fertig sind, Namen gibt. Die – für den Betrachter nicht wirklich nachvollziehbar – „Baby“, „Dort, wo es die Bienen trieben“ oder „Palianese Exegese“ heißen. Titel, die wohl mit Ereignissen im Leben des umtriebigen Künstlers zu tun haben, letztlich aber nur intellektuelles Beiwerk zu einer Malerei sind, die rein intuitiv passiert.

Wobei Bernhard dieses Zufällige sehr kontrolliert zulässt oder auch nicht. Mit Ergebnissen, die bisweilen überraschend malerisch daherkommen. Wenn er mit trockenen Farben fast stille Bilder baut oder auf Papiere in vielen Schichten seine mustrig stilisierten Botschaften malt bzw. schreibt. Wobei es Bernhard am liebsten schon schrill mag. Wenn er etwa eine Leinwand mit unzähligen Pinienzapfen bestückt, von denen jeder zu einem Gesicht wird.