Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 16.07.2018


Osttirol

Rückkehr eines großen Sohnes

Der Maler und Bildhauer Leonard Lorenz stammt aus Osttirol, lebt aber schon lange im Ausland. Zu einer Werkschau anlässlich seines 70. Geburtstags kam er zurück nach Lienz.

© UnterwegerGert Ammann, früherer Direktor des Tiroler Landesmuseums (rechts), hielt die Einführungsrede zur Schau von Leonard Lorenz’ (l.) Werken.Fotos: Unterweger



Von Peter Unterweger

Lienz – Leonard Lorenz lebt und arbeitet nahe München. Mit einer umfangreichen Werkschau in der Spitalskirche in Lienz ist er wieder einmal nach Osttirol zurückgekehrt. Geboren ist der Künstler in Tristach, dementsprechend hoch war der Anteil an Besuchern aus seinem Heimatort bei der Eröffnung am Freitag. Heuer im Februar feierte Lorenz seinen 70. Geburtstag. Die Stadt nahm das zum Anlass, dem Künstler diese Ausstellung zu widmen.

Der Schmetterlingsbrunnen beim Iselsteg ist den Lienzern inzwischen zum vertrauten Kunstwerk geworden. Bürgermeisterin Elisabeth Blanik berichtet in ihrer Begrüßungsansprache von zwei weiteren Skulpturen des Künstlers, denen sie auf dem Weg zu ihrem Büro in der Liebburg begegnet: der „Paradiesvogel“ und die „Ruderer“ schmücken das Lienzer Rathaus.

Jeder Raum habe andere Gesetzmäßigkeiten, gab Gert Ammann in Hinblick auf die Architektur der Spitalskirche eingangs zu bedenken. Der ehemalige Direktor des Tiroler Landesmuseums gratulierte Lorenz dazu, wie er die Ausstellung in den Raum „komponiert“ hat. In einem Dialoggespräch mit dem Künstler brachte Ammann den Besuchern die Persönlichkeit des Bildhauers sowie dessen Kunstverständnis und Arbeitsweisen näher.

„Das Verständnis von inneren und äußeren Zusammenhängen ist der Schlüssel zum Verständnis dieser Kunst“, erklärte Leonard Lorenz und erläuterte den Titel der Ausstellung „Beziehungskosmos Mensch“.

Ammann beschrieb die verschiedenen Zugänge an die Skulptur, von der kompakten Form zu dem Einbau des Hohlraums in das Werk. „Das Wichtigste, was eine Skulptur ausmacht, ist das Spannungsverhältnis von Volumen und Hohlraum“, erklärte der Kunstexperte mit Blick auf die gezeigten Arbeiten.

Warum bei Lorenz jede Bronzeskulptur ein Original ist, erklärte der Künstler mit seiner Arbeitsweise. Die herkömmliche Methode, zuerst ein Tonmodell herzustellen, sei bei seinen Werken nicht möglich, das Abformen zu kompliziert. So forme er direkt in „Wachs positiv“, dabei ist nur ein Abguss möglich, also ist jede Skulptur ein Unikat.

Als Meister der Bronze-skulptur hat sich Lorenz einen Namen gemacht. In Lienz zeigt der Künstler nun auch wieder Werke aus Holz. „Der Abstand über so viele Jahre hat mir die Freiheit gegeben, in der Holzskulptur eine Ausdrucksform zu finden“, begründet er die Rückkehr zum Material Holz, mit dem er sich schon während seiner Ausbildung beschäftigt hatte.

Steigende Bedeutung hat für den Künstler die Malerei. Wie bei den Bildhauerarbeiten strebt er auch im Zweidimensionalen zu eindrucksvollen Formen. Großformatige Malereien grenzen die Skulpturen zu den Kirchenwänden hin ab.

Um die Ausstellung nicht zu überladen, beschränkt sich der Künstler in seiner Auswahl auf Werke, die er in den letzten 15 Jahren geschaffen hat. Lorenz bespielt auch den Außenbereich der Spitalskirche: Im angrenzenden BORG-Areal, entlang der alten Stadtmauer, hat er Tafeln aufgestellt. Die Drucke zeigen Arbeiten aus früheren Schaffensperioden. Diese Präsentation soll als Anreiz dienen, Besucher zur Ausstellung in die Kirche zu locken.

Zahlreiche Gäste nützten die Gelegenheit für eine persönliche Begegnung mit Lorenz. Der Künstler liebt es, ein Kunstgespräch gekonnt auf eine philosophische Ebene zu heben.

Die Werke von Leonard Lorenz sind noch bis 4. August in der Spitalskirche in Lienz zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10 bis 12 und 16 bis 19 Uhr, Samstag von 10 bis 14 Uhr und Sonntag von 9.30 bis 12 Uhr.