Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 20.07.2018


Kunst

Gitti Schneider: Malerei die Spuren sucht

Artefakte der persönlichen Geschichte: Gitti Schneiders künstlerische Intervention im Kreuzgang im Volkskunstmuseum.

© Wolfgang LacknerBis zum 7. Oktober ist die künstlerische Intervention von Gitti Schneider im Kreuzgang im Volkskunstmuseum zu besichtigen.



Innsbruck – Sanft schwingen sie im Wind, die insgesamt 40 Fahnen, die derzeit im Kreuzgang des Volkskunstmuseums angebracht sind. Und durch die sich die Besucher nun durchschlängeln auf dem Weg zur Hofkirche. Die Innsbrucker Künstlerin hat sie gefertigt und sie sind Resultat einer mehrjährigen Recherchearbeit, die nun zum Bild geworden ist.

Das Projekt beginnt schon 2012, als Gitti Schneider ihr Atelier in der Pradler Straße bezieht, wo ab 1912 der Urgroßvater der Innsbruckerin die Erste Tiroler Arbeiterbäckerei (ETAB) leitete. Für die Stelle wurde er nach Wien extra aus Triest abgezogen. Über die Konfrontation mit dem Ort bzw. mithilfe direkter Versatzstücke, wie etwa das Tagebuch des Urgroßvaters, taucht Schneider ein in ihre faszinierende Familiengeschichte und derer von Innsbruck um 1900.

Aufgedrängt hatten sich Reisen nach Wien und Triest, in denen sich die Künstlerin getrieben von der Neugier auf die Spuren des Urgroßvaters begab. Ebenso aufgedrängt hat sich die künstlerische Umsetzung, die in der Intervention „Dass der Himmel über mir sich kläre“ nun seinen Ausdruck findet. Seit 2016 arbeitete Schneider an den Bahnen aus japanischem Maulbeerpapier, die die Künstlerin mit ihren Erinnerungen befüllte.

Entstanden sind feine, gestische Malereien, von freien assoziativen Formen bis hin zu wiederkehrenden Kalligrafien. An anderen Stellen entsteht in der Collage mit Buchseiten auch lesbarer Text. Erste Assoziationen zu Hermann Nitschs Schüttbildern können sofort verworfen werden, im Gegensatz zu den Artefakten seiner Aktionen bleiben Schneiders Malereien Artefakte einer persönlichen Erinnerung. Die dadurch aber auch unlesbar bleiben. Eine allgemeingültige Geschichte, die die Künstlerin auch erzählen möchte, kommt nicht herüber – hier liefert erst die Publikation den Hintergrund zur Geschichte der ETAB.

Was nachhaltig fasziniert, ist die Technik der Künstlerin, die Malerei, die den Rahmen sprengt und sich der Bewegung im Raum hingibt. Und aufgrund der Luftigkeit auch verbildlicht, wie empfindlich Erinnerung sein kann. (bunt)