Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 02.08.2018


Kunst

Augustinermuseum: Bereit zum Dinner mit Odysseus

Petra Streng eröffnet ihre Ära als Leiterin des Augustinermuseums Rattenberg programmatisch mit einem Zyklus von Maria Peters.

© SchlockerZwei Sequenzen aus Maria Peters’ multimedial zelebriertem „Dinner mit Odysseus“ im Augustinermuseum Rattenberg. Foto: Schlocker



Von Edith Schlocker

Rattenberg – Kein Scherz: Seit 1. April ist die Volkskundlerin Petra Streng die neue Kustodin des Augustinermuseums Rattenberg. Sie beerbt in dieser Funktion den Kunsthistoriker Hermann Drexel, der viele Jahre lang dieses geschichtsträchtige Baujuwel und die darin aufbewahrte Sammlung sakraler Kunst verwaltet bzw. bespielt hat. Fast allsommerlich auch mit einer Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Und das praktisch ohne Budget für Aktivitäten dieser Art.

Etwas, das sich auch unter der neuen Leitung in dem von der Stadtgemeinde Rattenberg, Land und Diözese Salzburg finanziell am Leben gehaltenen Museum nicht ändern wird. Denn auch Petra Streng sind regelmäßige Interventionen von Künstlern von heute in diesem ins 14. Jahrhundert zurückgehenden und später barockisierten ehemaligen Kloster wichtig. Um sie finanzieren zu können, hofft sie projektbezogen auf die Großzügigkeit privater Sponsoren.

Die Schau, mit der die neue Kustodin ihre Ära im Augustinermuseum eröffnet, ist programmatisch. Hat sie mit Maria Peters doch eine Künstlerin gewählt, die „erzählerische Kunst“ macht, was für Streng das Richtige für diesen speziellen Ausstellungsort ist. Wobei besonders schön ist, dass Peters mit ihrer Ausstellung nach mehr als 30 Jahren an diesen Ort zurückkehrt, wo sie als 20-Jährige als gelernte Restauratorin an der Renovierung der Kuppel der Hofer-Kapelle mitgearbeitet hat. In die sie nun zwei Bilder gehängt hat, die in ihrer meditativen Verklärtheit wunderbar hierherpassen, obwohl ihre Heiligen Hundsköpfe haben.

Aber „ganz ohne Tiere geht es in meiner Kunst nicht“, sagt Maria Peters, auch nicht in dem Zyklus „Lost to regain – Die Such­e nach dem Paradies und wieder zurück“, dessen Episode „Dinner mit Odysseus“ nun in dem für Sonderausstellungen reservierten Raum zu sehen ist. Von den 24 Frauenleben, die in dem Zyklus sozusagen als Fortsetzungsroman erzählt werden, ist jenes der in die Antike vernarrten Anastasija-Sophie herausgegriffen. Anhand von fast hyperrealistisch gemalten großformatigen Ölbildern – auf einem von ihnen ist etwa das Dinner mit Odysseus vorbereitet – sowie symbolbefrachteten Collagen alter Stiche und Objekten werden die zentralen Lebensstationen dieses Reisenden nacherzählt, schriftlich kommentiert von einer im 4. Jahrtausend lebenden „Nachfolgerin“.

Für die Ausstellung sollte der Besucher viel Zeit mitbringen. Denn allein um die Kommentare zu lesen, braucht man etwa eine halbe Stunde, um die existenzielle Vielschichtigkeit der Bilder und Collagen zu verstehen, nicht viel weniger.