Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 03.09.2018


Architektur

Am Ufer der Isel gelandetes Ufo

Der von den Wiener fasch & fuchs.architekten geplante Campus Lienz ist ein riesiges, auf zarte Stützen aufgeständertes und an zwei Bestandsgebäude angedocktes Baumhaus.

© Paul OttAls mehrfach geknicktes, auf zarte Säulen aus Stahlbeton aufgeständertes, 160 Meter langes Gebäude schlängelt sich der Mechatronik-Campus Lienz der Isel entlang.Foto: Paul Ott



Von Edith Schlocker

Lienz – 2014 hat das Büro fasch & fuchs den von der Tiroler Landesregierung ausgelobten Architektenwettbewerb für den Bau eines Mechatronik-Campus in Lienz gewonnen. Mit einem extravaganten Projekt, das sich grundlegend von denen der Mitkonkurrenten unterscheidet. Klug reagierend auf die nicht einfachen örtlichen Bedingungen bzw. räumlichen Vorgaben. Ist das direkt an der lauschigen Uferpromenade der Isel gelegene Grundstück doch extrem schmal­ und lang, durchschnitten von einem kleinen Wildbach und mit Beständen von vielen alten Bäumen, die es möglichst zu erhalten galt. Bedingungen, die letztlich die Form des Gebäudes vorgegeben haben genauso wie das, was sich in seinem Inneren tut. Wo zukunftsträchtige Techniken etwa in Zusammenhang mit Robotik gelernt bzw. entwickelt werden.

Wobei es besonders erfreulich ist, dass sich im Mechatronik-Campus Lienz die unterschiedlichen Bildungsebenen von der Fach-Berufsschule über die HTL bis zur universitären Ebene vernetzen. Infrastrukturelle und intellektuelle Ressourcen werden gemeinsam genutzt, was sehr erleichtert wird, indem das neue Gebäude an die bestehenden von HTL und Berufsschule unterirdisch verbunden und oberirdisch durch Brücken angedockt ist.

Die Idee von Transparenz und Vernetzung machen fasch & fuchs dreidimensional erlebbar. In der Form eines 160 Meter langen, mehrfach geknickten und auf zahlreiche zarte Säulen aus Stahlbeton aufgestelzten Gebäudes, was ihm das Flair eines am Ufer der Isel gelandeten Ufos verleiht. Seine tragende Struktur ist ein raffiniert horizontal, vertikal und diagonal verschränktes Fachwerk aus weißen Stahlrohren mit einem Durchmesser von rund 30 Zentimetern. Fast unsichtbar ausgefacht mit breiten, das gesamte Gebäude umlaufenden Fensterbändern, vor die ein „Vorhang“ aus schmalen – vorvergrauten – Latten aus Lärchenholz gehängt ist. Dazu da, um die Räume zu beschatten, um gleichzeitig die Fassaden durch die unterschiedliche Setzung der Latten reizvoll zu strukturieren.

Indem das Haus immer mehr im Wald verschwindet, mutiert es zunehmend zum „Baumhaus“. Wachsen Innen und Außen, Architektur und Natur förmlich zusammen, ein kreatives Klima erzeugend, das man sich für jeden Lernenden und Lehrenden wünschen würde. Betreten wird der Campus Lienz am anderen, fest im Boden verankerten Ende. Durch die große, rundum verglaste und großzügig öffenbare Aula, über die das Gebäude von der Tiefgarage bis zum Obergeschoß durch einen Lift bzw. Stiegen aus Sichtbeton erschlossen wird. Dieser Aula vorgelagert ist noch der ganze Stolz der Mechatroniker, das Maschinenbaulabor, das durch seine raumhohe Verglasung als Schaulabor konzipiert ist, damit „die normalen Menschen sehen, was hier passiert“, so Fadi Dohnal, wissenschaftlicher Leiter des universitären Studienlehrgangs Mecha­tronik.

Poetisch konterkariert wird das technoide Flair des Gebäudes durch ein von den Architekten entwickeltes Farbkonzept. Durch Vorhänge in unterschiedlichen Blauschattierungen, die mit den Blaus der Isel zu tun haben sollen, oder Möbeln in zweierlei Nuancen von Rot und Türkis. Die Böden sind knallgelb und aus Linoleum, womit die Architekten nicht wirklich glücklich sind, hätten sie doch lieber solche aus Holz gehabt, die allerdings dem Sparstift zum Opfer gefallen sind.