Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 10.09.2018


Innsbruck

Es klingelt, plätschert und raschelt im barocken Pavillon

Auf Einladung der Klangspuren Schwaz und des Landesmuseums verwandelt Bernhard Leitner den Innsbrucker Hofgartenpavillon in eine Tonarchitektur.

© klangspurenBernhard Leitners „Tonarchitektur ’18“ im Hofgartenpavillon.Foto: Atelier Leitner



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Nicht Holz, Stein oder Beton, sondern der Ton ist das Material, aus dem Bernhard Leitner seine „Architekturen“ baut. Um auf diese Weise komplexe Sinneserfahrungen zu provozieren, die für jeden/jede anders ausfallen werden, abhängig von seiner momentanen Befindlichkeit, aber auch dem jeweiligen Wetter, den Umgebungsgeräuschen oder der Tageszeit.

Bereits 2003 und 2008 hat der aus Innsbruck stammende, in Wien lebende und international umtriebige gelernte Architekt das Tiroler Landesmuseum mit seinen tönenden Objekten bespielt, um zu seinem 80. Geburtstag nun auf Einladung der Klangspuren Schwaz und des Landesmuseums den Musikpavillon des Innsbrucker Hofgartens in einen Klangraum zu verwandeln. Durch die „Tonarchitektur ’18“, die Leitner speziell für den 1733 als Ort für höfische Feste gebauten spätbarocken Pavillon erfunden hat. Dessen Renovierung, bei der kürzlich schöne florale Malereien aus der Entstehungszeit entdeckt wurden, für die Zeit seiner nunmehrigen Bespielung unterbrochen wird.

Musik wurde bzw. wird in diesem Pavillon immer wieder gemacht, Töne dieser Art waren hier aber noch nie zu hören. Der Resonanzraum für Leitners 16-kanalige Ton-Raum-Komposition ist höchstkomplex, besteht aus drei Schichten. Der feudalen Hülle, einer in diese gestellten, formal-minimalistischen Installation aus rohem Fichtenholz, die mit acht Lautsprechern bzw. hölzernen Klangflächen bestückt ist, während zur dritten Schicht der den fensterlosen Pavillon umgebende Hofgarten wird.

Je nachdem, wo man sich in dieser Tonarchitektur positioniert, ist das Wahrgenommene irgendwie anders. Obwohl es dem genau Hinhörenden sehr bekannt und doch wieder rätselhaft vorkommt, weil dieses nie konkret zuordenbar ist. Denn was da plätschert, tropft, klingelt, scharrt und raschelt, vermischt sich mit dem Rufen der Schachspieler vor dem Pavillon, dem Schreien eines Kindes, dem Vogelgezwitscher oder dem Lärm eines Flugzeugs.

Im Idealfall verfilzt der konkrete Raum mit dem mentalen des Hinhörenden zu einer Einheit. Was allerdings nie zur Idylle wird. Zu dissonant und in sich widersprüchlich ist das, was da im fünfteiligen 10-Minuten-Loop zu erleben ist. Mit dem zu spielen der Pavillonbesucher eingeladen ist, auf ein aktives Sich-Einlassen auf immer wieder wechselnde Dynamiken und Zwischentöne, die sehr viel mit uns, aber auch der Welt, in der wir leben, zu tun haben.