Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 16.09.2018


Kunst

Kraft und Poesie der Elemente

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© hauser



Pettneu/Arlberg – Wenn der in St. Anton lebende Fotograf Edgar H.J. Mall in der Natur auf den Auslöser seiner Kamera drückt, dann nähert er sich dieser spektakulär und dennoch unaufgeregt. Da geht es nicht um latent lauernde Gefahren, um das immanent Bedrohliche von Stein, Fels und Witterung.

Und doch entbehren seine Bilder nicht einer gewissen Dramatik. Als ein Meister von Licht und Schatten geht es ihm um eine Poesie, die sich selbst an kalten Felsformationen entzünden kann. In diesen Szenerien muss weder etwas hinzugefügt noch etwas weggelassen werden.

Ob Grashalm, lichter Schneefleck, dürrer Ast, glitzernde Pfütze, ein Farn, absolut nichts nimmt seinen Platz zufällig ein. Schlüssig im Inhalt, perfekt in der Technik, fein durchzeichnet, ungemein groß im Tonwertumfang, versteht Mall es, das Allgegenwärtige mit grandioser Dramatik aufzuladen.

Malls suggestive klare Bildsprache kommt dem Ursprünglichsten, dem kindlichen Staunen über die Welt ungemein, nah­e. Eine Selbstbefragung geht unwillkürlich damit einher. Wie Gemälde an der Wand bieten seine Fotografien eine Projektionsfläche für eigene Vorstellungen, indem sie den Bildraum über das Dargestellte hinaus öffnen.

Für seine Fotografien nimmt Mall gerne körperliche Strapazen in Kauf, und das zu jeder Jahreszeit, geht es ihm doch um den idealen Augenblick, das ideale Licht, die ideale Atmosphäre, mitunter im Grenzbereich des Konkreten und der Illusion.

In seiner aktuellen Ausstellung im Kunstraum Pettneu am Arlberg mit dem Titel „Spiegelbilder“ zeigt sich Fotograf Mall aber auch als ein sensibler Beobachter unserer Zeit, wenn er das scheinbare Naturidyll bedenklichen gesellschaftlichen Entwicklungen gegenüberstellt.

(Kunstraum Pettneu, bis 14. Oktober, Donnerstag und Samstag von 17 bis 20 Uhr, Sonntag von 15 bis 17 Uhr, oder telefonische Vereinbarung: 0676/5117383) (hau)