Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 27.09.2018


“Tag des Denkmals“

Heimisches Kulturerbe schmackhaft aufbereitet

290 österreichische Denkmäler, davon 18 in Tirol, warten am kommenden Sonntag, dem „Tag des Denkmals“, auf ihre Erkundung.

Am „Tag des Denkmals“ erstmals zu besichtigen: der im Gartenhaus von Stift Stams zufällig wiederentdeckte, mit Fresken geschmückte Festsaal.

© BDAAm „Tag des Denkmals“ erstmals zu besichtigen: der im Gartenhaus von Stift Stams zufällig wiederentdeckte, mit Fresken geschmückte Festsaal.



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Am letzten Septembersonntag wird seit inzwischen 20 Jahren österreichweit der „Tag des Denkmals“ begangen. Mit dem Ziel, das kulturelle Erbe für jeden, der mag, hautnah erlebbar zu machen. Was besonders schmackhaft dadurch gemacht wird, dass viele der Denkmäler nur an diesem besonderen Tag – meist frei – zugänglich sind.

Unter dem Motto „Schätze teilen – Europäisches Kulturerbejahr“ werden heuer in ganz Österreich mehr als 290 denkmalgeschützte Objekte, vom eisenzeitlichen Haus über die mittelalterliche Burg, alte Bergbauernhöfe und die Kapelle aus den 60er-Jahren bis zur zeitgenössischen Architektur, publikumswirksam aufbereitet in den Fokus gerückt.

18 dieser kulturhistorischen Schätze befinden sich in Tirol. Eines davon ist ein erst kürzlich ganz zufällig im Rahmen von Renovierungsarbeiten im Gartenhaus von Stift Stams wiederentdeckter, reich mit Fresken geschmückter Festsaal aus der Zeit des Barock. Und der im Rahmen des „Tages des Denkmals“ erstmals öffentlich zugänglich ist.

Genauso wie nach Jahrzehnten der Schließung und Restaurierung die ins 13. Jahrhundert zurückgehende Burg Heinfels im oberen Pustertal. Am „Tag des Denkmals“ können aber auch zwei freigelegte Gebäude einer eisenzeitlichen Siedlung auf der Hohen Birga bei Birgitz besichtigt werden. Unbedingt gesehen haben sollte man auch die Kaunertaler Ögghöfe. Vermittelt doch das auf 1444 Metern Seehöhe gelegene Ensemble uralter, bis 1980 ständig bewohnter Bergbauernhöfe einen unverfälschten Eindruck vom ehemals kargen Leben am Steilhang.

Denkmale müssen aber nicht unbedingt mehrere Jahrhunderte auf dem Buckel haben. Ein kunsthistorisches Kleinod in Tirol, das erst 55 Jahre alt ist, ist die von Hubert Prachensky auf einer Hügelkuppe neben der Brennerautobahn gebaute und vom Südtiroler Maler Karl Plattner mit Fresken ausgestattete Europa-Kapelle in Schönberg. 1963 als singuläres Gesamtkunstwerk im Gedenken an die beim Bau der Europabrücke tödlich verunglückten Arbeiter errichtet.

Gleich mehrere Stationen gibt es am „Tag des Denkmals“ in Hall. Eingeladen wird zum Besuch der Münze – wo eine Walzenprägemaschine mit Wasserantrieb vorgestellt wird – genauso wie des Stadtmuseums und der Friedhofskapelle, einem von Alfons Siber mit sezessionistischen Malereien geschmückten Zentralbau.

Mit dem neuen Sammlungs- und Forschungszentrum der Tiroler Landesmuseen in Hall öffnet sich am kommenden Sonntag auch eine Institution, die üblicherweise ihre Türen fest verschlossen hält. Um im Rahmen von Führungen in ihre mit kunst- und kulturhistorischen Objekten reich gefüllten Depots blicken zu lassen.