Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 08.10.2018


Bezirk Landeck

Ureigenste menschliche Qualitäten

© HauserDer in Grins lebende Künstler Christian Moschen zeigt Arbeiten aus den letzten vier Jahren im Kulturzentrum im Winkel Prutz. Foto: Hauser



Es ist wohl eines der schmucksten Kulturzentren des Oberlandes, das Kulturzentrum im Winkel Prutz. Dass das mustergültig restaurierte historische Gebäude, in dem auch die Winklbühne ihre Heimstatt gefunden hat, entsprechend kulturell bespielt wird, dafür sorgt der Kulturverein Prutz. Die jüngst eingerichteten Ausstellungsräume sind eine wahre Pracht und rufen geradezu nach adäquater Kunst.

Mit dem in Grins lebenden Christian Moschen wurde definitiv ein entsprechender Künstler gefunden, der die Räume auf eindrucksvolle Art und Weise bespielen kann. Er selbst betrachte es als eine besondere Ehre, als erster lebender Künstler im Winkl ausstellen zu dürfen. Die erste Ausstellung war nämlich eine Ausstellung zum Gedenken an den Prutzer Künstler Martin Stecher.

Unter dem Titel „be.wegt" zeigt Moschen Arbeiten aus den letzten vier Jahren und sich als ein virtuoser Könner des plastischen Gestaltens. Der Tanz, die Bewegung, die ureigensten Qualitäten des menschlichen Ausdrucks sind das Metier Moschens. Dem damit verbundenen tiefen Sinn für Empfindsamkeit ist Moschen auf der Spur. Nach Vorstudien oder aus dem Bauch heraus gestaltet er seine Figuren in Ton. Die in Ton angelegte Figur müsse einige Monate bestehen, ehe er sie für wertig genug befinde, in Bronze gegossen zu werden. Seine Plastiken sind Momentaufnahmen von dynamischen Bewegungen und zugleich Abbilder intimer menschlicher Szenen bzw. charakterlicher Haltungen. Die Tierdarstellungen versinnbildlichen die pure Eleganz der Bewegung.

Dem 1960 geborenen Künstler kommt natürlich seine Ausbildung als Maschinenschlosser zugute. Die formale Umsetzung einer Idee ist für ihn abgesehen von der körperlichen Anstrengung ein „Klacks". Es ist quasi der Schmetterling im Kokon, den Moschen vor Augen hat, wenn er ihn aus Ton ins Leben formt.

Aufträge ereilen Moschen aus dem ganzen Land und über seine Arbeiten im öffentlichen Raum freut er sich zu Recht. Wie viel Spannung sich mit einem Spannleintuch erzeugen lässt, zeigte Evelyne Wohlfarter in einer Performance zur inspirierenden Klarinette von Miwa Burger am Vernissage-Abend.

Zu sehen sind die Werke Moschens bis 11. November, Mittwoch von 18 bis 20 Uhr, Sonntag 17 bis 19 Uhr. (hau)