Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 12.10.2018


Kunst

Dem Fotoforum gehen die ersten Lichter aus

Einen Querschnitt über aktuelle Fotowerke aus der Steiermark zeigt das Fotoforum. Umfassender sind nur die Einschnitte, die das Haus selbst zu bewältigen hat.

© KollandKevin Kolland entdeckte für seine der Zeit entsprungenen Porträts eine alte Fotografie- und Entwicklungstechnik wieder.



Innsbruck – Etwas schummrig wird es, wenn man durch die aktuelle Ausstellung im Fotoforum in Innsbruck geht. Besonders im zweiten Raum. „Subventionsbedingt“, nennt Leiter Rupert Larl die aktuell­e – nicht bewusst gedimmte – Beleuchtung. Der Grund dafür: Man arbeite laut Larl zurzeit an der absoluten Grenze. Seit letztem Jahr wurden die Jahresförderungen aus Wien maßgeblich gekürzt, von rund 42.000 Euro auf 25.000 Euro. Bei Miet- und Energiekosten, die sich auf rund 32.000 Euro belaufen. Besonders schmerzlich für Larl, da das Fotoforum ursprünglich auf Bundesinitiative entstand. Für genügend Respekt und Zuwendung danke er aber Land und auch Stadt. Dennoch, es sei ein großer Teil, der inzwischen fehlt.

Trotzdem will Larl, der die Leitung im Ehrenamt ausübt, nach wie vor auf Qualität setzen, auch wenn das bedeutet, dass im Winter eine Ausstellung auf einen Raum reduzieren muss. Den Qualitäts­anspruch hält Larl dennoch hoch, bei der aktuellen Ausstellung „Photo Graz Selection“ zeigen die Kuratoren Max Aufischer und Gerhard Gross immerhin 22 Positionen aktueller steirischer Fotokunst. Ohne sich dabei thematisch auf einen roten Faden zu versteifen.

Als grundsätzlichen Trend lässt sich die Konzeptfotografie ausmachen, in der sich das Medium der Fotografie der Konzeptkunst nähert. Und dabei nicht nur den Wirklichkeitsbegriff zur Diskussion stellt. Da werden den rohen Genreszenen aus steirischen Gasthäusern von Klaus Pichler feinfühlige Kommentare der Gasthausbesucher gegenübergestellt. Oder Fotos um gestickte Motive erweitert, wie bei Nicole Greiner.

Assoziationen sind möglich: Bei Franz Sattlers Filmstills, die mit Farbbalken zensuriert werden, kommen einem unweigerlich John Baldessaris Collagen in den Sinn; Moritz Lechners Schnappschüsse aus der Tiroler Skiwelt erinnern an durchaus kritische Beobachtungen von Leonhard Angerer oder Walter Niedermayr.

Alltag gewordener Trend ist die Digitalfotografie. Nur noch zwei Positionen der 22 vorgestellten Fotografen arbeiten klassisch: Branko Lenart, der zeitlebens analog fotografierte, und Kevin Kolland, der eine Technik aus dem 19. Jahrhundert wiederentdeckte. Das kaum mehr angewandte nass­e Kollodiumverfahren belebt Kolland in Porträts, die zeitlich kaum mehr zu verorten sind, wieder.

Ums nackte Überleben gehe es im Fotoforum auf Nachfrage an die Leitung zwar noch nicht. Trotzdem kämpfe man sehr, um weiterhin qualitätvoll Ausstellungen, so wie seit der Gründung 1989 vorgenommen, anzubieten. (bunt)