Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 07.11.2018


Ausstellung

Die Liebe zur Kunst vertreibt jede Müdigkeit

Der Reither Galerist Gottfried Schmidt schenkt sich zum 25. Geburtstag eine Ausstellung, die zeigt, wofür er und seine Galerie stehen.

© www.muehlanger.atGottfried Schmidt steht zu seinem Faible für die Malerei: hier in seiner Reither Galerie vor dem Bild „Quest L“ von Hubert Scheibl.Foto: Roland Mühlanger



Von Edith Schlocker

Reith, Alpbachtal – Exakt am kommenden Sonntag vor 25 Jahren hat Gottfried Schmidt seine Reither Galerie aufgesperrt. Ein Vierteljahrhundert, in dem sich die Galerie zu einem überregional beachteten Spielort zeitgenössischer Kunst gemausert hat. Was eindrucksvoll die Ausstellung vorführt, die sich Gottfried Schmidt zum Geburtstag seiner Galerie „schenkt“. Gewidmet „seinen“ Künstlern, denen er in diesen 25 Jahren rund 350 Ausstellungen gewidmet hat.

Arbeiten von rund 40 von ihnen sind in der Jubiläumsschau zu sehen, die eindrucksvoll demonstrieren, wie groß die Bandbreite von Schmidts galeristischem Programm ist. Sowohl was ihre geografische als auch künstlerische Verortung betrifft. Denn Tiroler Künstlern eine Heimat zu bieten, war Schmidt immer genauso wichtig wie das Herholen internationaler Positionen oder das Entdecken ganz junger. Dieses Aufspüren von Talenten sei vielleicht das spannendste im Leben eines Galeristen, so Schmidt, der etwa in der Entdeckung der inzwischen international umtriebigen Maler Kevin A. Rausch und Markus Bacher einen feinen Riecher für Qualitäten bewiesen hat.

Die Chemie zwischen ihm und einem Künstler müsse stimmen, sagt Schmidt. Da springt er oft auch über seinen eigenen Schatten, um – im heurigen Sommer etwa mit Esther Stocker und Anna-Maria Bogner – im Abstrakten angesiedelte Positionen zu zeigen, die ihm persönlich nicht wirklich liegen. Gilt sein Faible doch eindeutig diversen Spielarten der Malerei, der Farbe, letztlich dem mehr oder weniger expressiv Figuralen.

Kunst ist letztlich eine Ware, wenn auch eine sehr spezielle, eine Galerie, ein Laden, der sich rechnen muss, um überleben zu können. Diesen Seiltanz zwischen persönlichen Vorlieben und dem am Kunstmarkt Gefragten schafft der Reither Galerist geschickt. Wobei ihm doch der Ruf vorauseilt, ein genialer Verkäufer zu sein, weshalb es praktisch keinen Künstler, keine Künstlerin gäbe, die es abgelehnt haben, bei ihm auszustellen, so Schmidt. Selbst internationale Größen wie Christo, Arnulf Rainer, Hermann Nitsch, Oswald Oberhuber, Brigitte Kowanz oder Markus Lüpertz. Präsentiert während jener sommerlichen Wochen, in denen sich im benachbarten Alpbach beim Europäischen Forum die geistigen Eliten ein Stelldichein geben.

Gottfried Schmidt weiß, dass das Kaufen von Kunst Vertrauenssache ist, weshalb er seine Galerie ganz bewusst allein führt. Nicht der einzige, aber ein wesentlicher Grund, weshalb er Anfang 2018 nach fast 20 Jahren auch seine Haller Galerie Goldener Engl aufgegeben hat. Wobei er seinen nicht gerade am Nabel der Kunstwelt liegenden Standort nicht als Nachteil sieht. Seine Kunden kämen von weit her, sagt Schmidt, allein vom Tiroler Markt könne man mit einem ehrgeizigen Programm wie seinem nicht überleben. Wobei sich das Käuferverhalten in den letzten Jahren sehr geändert habe. Kunst werde immer mehr zur Aktie, gesetzt werde zunehmend auf große Namen anstatt auf das eigene Gespür.

Seine eigene Lust auf Kunst hat Schmidt nach einer Karriere in der Wirtschaft zum Beruf gemacht. Pläne für die Zukunft gibt es jede Menge, was da keinen Platz hat, ist Müdigkeit.