Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 23.11.2018


Kunst

Aus dem Lebensspeicher direkt auf die Leinwand

In der Imster Galerie Theodor von Hörmann outet sich der gelernte Bildhauer Reinhold Traxl als leidenschaftlicher Maler.

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© Schaller



Von Edith Schlocker

Imst – Die Arbeiten, die Reinhold Traxl vor acht Jahren in den Kreuzgang von Stift Stams gehängt hat, waren klar konstruktivistisch angelegt. Bauchiges, spontan auf große Leinwände Hingeschriebenes fand sich dort nicht, ganz im Gegensatz zu den Bildern, die der seit mehr als drei Jahrzehnten in der Toskana lebende Oberländer nun in der Imster Galerie Theodor von Hörmann zeigt.

Er habe als Künstler endlich das gefunden, was er ein Leben lang gesucht habe, sagt der 75-jährige Wotruba- und Avramidis-Schüler, der sich neuerdings lieber im Zwei- als im Dreidimensionalen umtut. Um beim Malen aus seinem in Jahrzehnten prall mit dem, was er weiß und auch nicht weiß, mit Gesehenem, Gefühltem und Erlittenem gefüllten Lebensspeicher zu schöpfen, wobei die zur Malerei gewordenen Essenzen ihren Schöpfer oft selbst überraschen.

Jeder Betrachter wird in diesen vielschichtigen Farbräumen etwas anderes sehen, was wiederum nur mit dem Sehenden/der Sehenden zu tun hat. Landschaftliche Assoziationen tun sich allerdings unübersehbar immer wieder auf, ohne jedoch geografisch exakt verortbar zu sein. Teilweise raffiniert garniert mit dekorativ mustrigen Elementen, die wie abgeworfene Häute oder textile Hüllen daherkommen bzw. kleinen geometrischen Körpern, die in diese Farbwelten hineingeworfen sind.

Reinhold Traxl malt seine bis zu zwei mal drei Meter großen Bilder am Boden. Am Beginn steht immer die schwierige Entscheidung für eine warme oder kalte Farbe. Der eigentliche Malprozess ist exzessiv, von Emotionen getrieben, trotzdem immer vom Kopf kontrolliert. Viele Schichten von Tempera schichten sich auf diese Weise auf ungrundierte Leinwände, die miteinander in spannende Interaktionen treten, die sich im konzentrierten Akt des Malens spontan ergeben, um dem Künstler Fährten zu legen, denen er voller Neugier folgt oder auch nicht. Das Schwierigste beim Malen sei es, jenen Moment zu erkennen, wenn das Bild fertig, jeder zusätzliche Pinselstrich zu viel ist, ihn auf den Nullpunkt zurückwirft, so der Künstler.

Bisweilen bearbeitet Traxl in brachialen Akten seine Bilder, wenn er etwa mit einem groben Besen die zu malerisch werdende Idylle aufmischt. Aber gerade diese Brüche machen wesentlich den Reiz dieses Spiels mit Weichem und Hartem, fast zu schönem Goldenem, schwarz Ausfransendem oder in den unterschiedlichen Qualitäten des Weiß Verdämmernden aus. In zwei Bildern fehlt die Farbe, ersetzt durch die subtile Poesie des reliefartig Dreidimensionalen.