Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 04.12.2018


Kunst

Spontane Essenzen der Endlichkeit

Seinen 70. Geburtstag feiert Helmut Christof Degn zweifach: bei Flora mit neuen, in der Galerie Mayr mit alten Arbeiten.

H. C. Degn zeigt in der Galerie Mathias Mayr ganz frühe Arbeiten.

© Galerie MayrH. C. Degn zeigt in der Galerie Mathias Mayr ganz frühe Arbeiten.



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Helmut Christof Degn ist ein Künstler, der sich schwer schubladisieren lässt. Malphasen wechseln sich mit solchen ab, in denen der Innsbrucker fast ausschließlich zeichnet, einmal Abstraktes, dann wieder durchaus Assoziatives. Der Malerei widmet sich der 70-Jährige nach jahrelanger Abstinenz neuerdings wieder mit großer Leidenschaft, wie seine Personale bei Flora beweist, der er den skurrilen Titel „Im Schimmer der Halbfische“ gegeben hat.

Arbeiten, in denen Degn in kultiviertem Tempera auf kleinen oder mittelgroßen Leinwänden in Gewässer abtaucht, die nicht unbedingt mit realen zu tun haben müssen, durchaus aber können. Denn da vermischt sich durchaus assoziativ daherkommendes Landschaftliches oder Figurales mit raffiniert in der Fläche stilisiertem Mustrigen. Das oft an Wellen erinnert, nicht zuletzt durch die Delikatesse, mit der Degn sämtliche Nuancen von Blau durchdekliniert.

Für seine Schau in der Galerie Mathias Mayr hat Degn dagegen zwei Zyklen von Film- und TV-Zeichnungen aus seinen ganz frühen Jahren aus dem Archiv gekramt, die man nie mit diesem malenden Poeten assoziieren würde. Entstanden sind die auf transparente Papiere mit Buntstiften, Graphit und Aquarell geschriebenen Arbeiten zwischen 1976 und 1983, um ganz in der Manier des Informel auf Bildschirmen Gesehenes zu spannenden Essenzen letztlich von Zeit zu verdichten. Etwa die Dynamik eine Fußballspiels, die Dramatik eines Boxkampfes, aber auch die unaufgeregte Schönheit eines sich im Wasser spiegelnden Baums.