Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 16.01.2019


Kunst

Peter Elvin zeigt Fotografien: Gefundene Erinnerungen

Peter Elvin recherchiert im Innsbrucker Fotoforum das Finden innerer Bilder, die er in sehr realen äußeren findet. Hinter seinem Haus oder auf Reisen.

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© elvin



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Seit Rupert Larl in den frühen 80er-Jahren das Fotoforum gegründet hat, taucht der inzwischen 75-jährige Kufsteiner Peter Elvin bei den unterschiedlichsten Projekten regelmäßig auf. Vor vier Jahren etwa mit einem berührenden Porträt eines ungarischen Roma-Dorfs, um in seiner aktuellen Personale seine „Mémoires Trouvées“ zu zeigen. Eine Serie kleinformatiger Bilder, deren gemeinsamer Nenner die Abwesenheit von Menschen ist.

Peter Elvin geht in diesem in den vergangenen eineinhalb Jahren entstandenen Projekt der Frage des Findens von Erinnerungen auf den Grund, ist er doch überzeugt, dass man als Fotograf nur Bilder macht, die es im Inneren bereits gibt. Die Reise an die Quelle dieser Bilder war eine ebenso herausfordernde wie persönliche, um hinter dem Haus genauso wie im fernen Patagonien fündig zu werden.

Was Elvin bei diesem langen, sehr aufmerksamen Unterwegs-Sein gefunden hat, ist auf einen ersten Blick unspektakulär. Es kann der Blick in oder aus einem Fenster genauso sein wie der auf verschneite Bäume, einen Vogelschwarm, im Wind flatternde Wäsche, eine abblätternde Mauer, blühende Zweige oder ein im Wald gefundenes Einbahn-Zeichen, was immer das im Kontext mit diesem letztlich selbstfinderisch angelegten Projekt auch bedeuten mag.

So unterschiedlich die Motive auch sein mögen, die Grundstimmung ist immer dieselbe. Passend zum kleinen Format, das vom Betrachter ein ganz genaues Hinschauen fordert. Peter Elvins Tun zeigt in der Verknappung der Mittel Verwandtschaften mit jenem von Dichtern oder Kammermusikern. Doch lässt man sich auf diese ganz präzise angelegten, alles Zufällige ausblendenden Bildfindungen ein, wird man reich beschenkt. Entdeckt man einen sensiblen Jongleur mit Linien und Flächen, Licht und Schatten, Strukturen und Farben. Nur eines der im Fotoforum gezeigten Sujets fällt etwas aus dem Rahmen. Was man allerdings erst auf den zweiten Blick erkennt. Steht der Hochspannungsmast, über dem sich ein scheinbar dramatisch bewegter Himmel wölbt, in Wirklichkeit doch auf dem Kopf.