Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.02.2019


Kunst

Graffiti-Künstler „Crazy Mister Sketch“: Kunst auf grauem Gemäuer

Der junge Graffiti-Künstler „Crazy Mister Sketch“ präsentiert seine ungewöhnliche erste Einzelausstellung in der Bäckerei.

„Crazy Mister Sketch“ tritt regelmäßig an die Stadt heran, um urbane Räume auf legalem Weg für seine Kunst zu erschließen.

© Vanessa Rachlé / TT„Crazy Mister Sketch“ tritt regelmäßig an die Stadt heran, um urbane Räume auf legalem Weg für seine Kunst zu erschließen.



Von Gerlinde Tamerl

Innsbruck – Im Ausstellungsraum der Bäckerei würde man die Falltür auf dem Boden wohl einfach übersehen, doch der junge Graffiti-Künstler, der sich „Crazy Mister Sketch“ nennt, weist der TT den Weg.

Wir steigen über eine steile Eisentreppe hinab und gelangen in einen dunklen Raum, in dem Baukabel neben kaputten Fahrrädern liegen. Bei jedem Schritt knirscht es unter den Schuhen und hätte Mister Sketch keine Taschenlampen verteilt, dann wäre man in der Dunkelheit wohl hoffnungslos verloren. Schließlich fällt der Lichtkegel auf eine Mauer und ein Graffito offenbart sich dem mittlerweile lichtscheuen Auge des Betrachters. In grauen Lettern ist der Name des Künstlers zu lesen und daneben funkelt ein Auge hervor, das in gewisser Weise an den entschlossenen, wenn auch scheuen Blick von Mister Sketch selbst erinnert, der nur mit seinem Pseudonym an die Öffentlichkeit tritt.

Der 23-Jährige hat seine erste Schau, die sich „Off Limits“ nennt, bewusst in zwei Bereiche aufgeteilt: Der erste Ausstellungsraum im dunklen Kellergewölbe deutet schon an, dass Graffiti-Künstler sich meist im Untergrund bewegen und sich damit nicht selten an der Grenze zur Illegalität bewegen, weil sie verwahrloste oder urbane Orte künstlerisch gestalten. Der zweite helle und „offizielle“ Bereich im oberen Geschoß der Ausstellung zeigt die Entwürfe von Crazy Mister Sketch, in denen er sich als akribischer Zeichner offenbart. Auf den Skizzenblättern, auf denen Tiere, aber auch Ornamente zu sehen sind, findet man auch persönliche Gedanken wie etwa jenen: „My creative oasis is now wasteland“ (Meine kreative Oase ist jetzt eine Wüste). Das Erkunden von verlassenen Orten ist also auch Teil von Mister Sketchs künstlerischem Ausdruck, aber er respektiert auch das Eigentum anderer. Der junge Künstler, der schon einige offizielle Aufträge von Firmen für die Gestaltung grauer Gemäuer erhalten hat, tritt regelmäßig an die Stadt heran, um urbane Räume auf legalem Weg für seine Kunst zu erschließen.

In seiner ersten Schau will er aber nicht nur seine zeichnerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen, sondern er möchte auch die Besucher an seine künstlerische Welt he­ranführen, ihnen zeigen, worin der Reiz dieser Kunstform besteht. Er sagt: „Mir gefällt die Idee, dass meine Kunstwerke in der Öffentlichkeit sichtbar sind, denn man erreicht ein großes Publikum. In gewisser Weise muss ein Graffiti-Künstler damit die Kon­trolle über sein Kunstwerk abgeben. Man liefert sein Werk gleichsam dem öffentlichen – einem ungewissen Raum – aus. Genau das ist aber das Faszinierende.“ Von der großflächigen Ästhetik der Graffiti fühlte sich Mister Sketch schon immer angezogen. Und der junge Künstler setzt einen wichtigen Satz an den Schluss des Gesprächs: „Für das Renommee eines Graffiti-Künstlers ist es aus meiner Sicht nicht relevant, ob er im legalen oder illegalen Raum arbeitet.“