Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.02.2019


Osttirol

Keramikkunst im Klosterkreuzgang

Margarethe Oberdorfer präsentiert ihre Ausstellung „Kopflose“. Als Künstlerin hat sie noch viel vor.

Margarethe Oberdorfer zeigt in ihrer Ausstellung in Lienz Keramikfiguren.

© Daniela AguMargarethe Oberdorfer zeigt in ihrer Ausstellung in Lienz Keramikfiguren.



Von Daniela Agu

Lienz – Die bildende Künstlerin und pensionierte Lehrerin Margarethe Oberdorfer stellt gerade im Kreuzgang des Franziskanerklosters in Lienz ihre Keramik aus. Die Skulpturenserie trägt den Titel „Kopflose“. Dabei sind die Figuren nicht im eigentlichen Sinn kopflos, wie der Titel vermuten lässt, es sei denn, der Betrachter nimmt den Kopf ab. Die Köpfe sind lose, was den Ausdruck der Figur veränderlich hält. Köpfe können beliebig verdreht und wieder anders aufgesetzt werden, so entscheidet der Mensch, ob die Liebenden sich gerade küssen oder sich voneinander abwenden. Eine von Oberdorfers Figurengruppen ist der Darstellung der drei Affen nachempfunden, die sich Augen, Ohren und Mund zuhalten. Die Künstlerin hat die Gruppe um eine Figur erweitert, die die Arme verschränkt hat, also nichts tut. „Das Schlimmste in meinen Augen ist, untätig zu bleiben“, erläutert Oberdorfer.

Für sie selbst gilt das ganz und gar nicht. Die Osttirolerin wollte eigentlich immer Malerin werden. Nach der Hauptschule absolvierte sie eine Fotografenlehre. Mit 21 Jahren zog es sie nach Linz an die Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung. Sie schloss nach fünf Jahren ihren Magister ab. Es folgte die Gesellenprüfung für Keramiker.

In den 1980er-Jahren begann Margarethe Oberdorfer als Kunstprofessorin im BORG Lienz zu unterrichten. Sie war auch Leiterin der „Art Didacta“-Sommerkurse in Innsbruck. Die Idee der Sommerkurse importierte sie schließlich 2001 nach Osttirol und initiierte die Sommerakademie in der Lienzer Tammerburg und später in ihrem Haus in Dölsach. Dort waren bis zu 20 Kursleiter pro Sommer tätig.

Seit Langem widmet sich die Künstlerin auch menschenrechtlichen Themen, hat mehreren Flüchtlingsfamilien in ihrem Haus eine Unterkunft geboten und engagiert sich noch heute in einer Menschenrechtsgruppe. 2020 läuft der Vertrag für die Flüchtlingsunterkunft ab. „Danach möchte ich mein Haus zu einem Ort machen, wo Menschen dauerhaft leistbares Wohnen finden, wo gemeinsam gearbeitet und gelebt wird“, schildert Oberdorfer ihre Zukunftspläne.

Die Ausstellung „Kopflose“ im Kreuzgang des Franziskanerklosters Lienz ist noch bis Sonntag, den 10. Februar, zu sehen.

Eines der Exponate ist der Darstellung von „nichts sehen, nichts hören, nichts sprechen“ nachempfunden – mit einer Besonderheit.
Eines der Exponate ist der Darstellung von „nichts sehen, nichts hören, nichts sprechen“ nachempfunden – mit einer Besonderheit.
- Daniela Agu