Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 13.03.2019


Innsbruck

„Protrait“: Ein Tippfehler, der für Bereicherung steht

Zu den bekanntesten Porträtisten Österreichs gehört auch Elke Krystufek, sie ist mit der Arbeit „AS“ (Ausschnitt) von 2018 vertreten.

© Johannes PlattnerZu den bekanntesten Porträtisten Österreichs gehört auch Elke Krystufek, sie ist mit der Arbeit „AS“ (Ausschnitt) von 2018 vertreten.



Nicht nur die Einladung für, sondern auch der Ausstellungstitel der aktuellen Schau bei Bernd Kugler überraschte: Komplett weiß war die Karte, der Ausstellungstitel ließ gar einen Tippfehler vermuten. „Protrait" war zwar anfänglich ein Vertipper, wurde dann aber laut Künstler-Kurator und Kugler-Urgestein René Luckardt doch bewusst weiterverwendet. Es geht in der Ausstellung schließlich um die Verschiebung oder — besser — Erweiterung der Gattung Porträt.

Um dem Medienpluralismus der Gegenwart gerecht zu werden, integriert Kurator Luckardt nicht nur Malerei (von Christian Eisenberger, Maja Körner, Elke Krystufek, Christoph Schellberg) in die Schau, sondern auch Fotografie (Laura Bielau), Video (Patrycja German) sowie eine eigene Arbeit von sich, die eher der Skulptur zugerechnet werden kann als der Malerei. Was die Arbeiten eint, ist die Frage danach, was ein Porträt heute alles sein kann.

Obwohl es sich doch eindeutig um Abbildungen von Individuen handelt, mutiert das Werk von Luckardt in der Kombination und Verschränkung zweier Leinwände zur Skulptur — eine mediale Verschiebung findet statt.

Im Video Patrycja German, die mit ihrem „1/2 Kuss" zugleich sinnlich, aber auch bizarr wirkt, erfährt das Porträt eine inhaltliche Verschiebung. Der Abgebildete ist gleich Agierender.

Formal erweitert wird das Porträt bei Christian Eisenberger, der den Inhalt abstrahiert und klar werden lässt, dass jedes Porträt im Grunde auch ein Porträt des Künstlers selbst generiert. „Protrait" ist eine Schau, die nach Bereicherung sucht. Und sie manchmal auch findet. (bunt)