Letztes Update am Fr, 19.04.2019 06:44

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kunst

„Grüß Göttin“ bald beim Kreisverkehr Innsbruck-Mitte

Die kontrovers diskutierte Installation der Künstlerin Ursula Beiler soll eine neue Heimat an einem stark frequentierten Kreisverkehr erhalten.

Künstlerin Ursula Beiler mit ihrem "Grüß Göttin"-Schild.

© HauserKünstlerin Ursula Beiler mit ihrem "Grüß Göttin"-Schild.



Von Michael Domanig

Innsbruck – Kaum ein Kunstwerk hat in Tirol in den letzten Jahren für so kontroverse – und oftmals recht überhitzte – Debatten gesorgt wie die Installation „Grüß Göttin“ der Künstlerin Ursula Beiler aus Silz. Nach Jahren soll das Schild mit dem markanten pink-weißen Schriftzug nun eine neue Heimat erhalten – und zwar bei der Autobahnauffahrt Innsbruck-Mitte.

Von August 2009 bis Ende Jänner 2016 stand die Tafel bekanntlich an der Inntalautobahn bei Kufstein-Nord, also am östlichen „Eingangstor“ nach Tirol. Dort überstand das Kunstwerk teils heftige Kritik, Blasphemie-Vorwürfe – und mehrere Vandalenakte.

Nach Auslaufen der Genehmigung für die Kunstinstallation im öffentlichen Raum wurde diese von der Asfinag abmontiert. Die damalige Innsbrucker Bürgermeisterin und Kulturreferentin Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck) hatte schon zuvor angekündigt, sich dafür einzusetzen, dass das „Grüß Göttin“-Schild in Innsbruck aufgestellt wird.

Pläne, die Tafel bei der alten Hungerburg-Talstation anzubringen, zerschlugen sich jedoch. Nach der Wahl 2018 nahm die neue Kulturreferentin StR Uschi Schwarzl (Grüne) die Standortsuche wieder auf – was sich als herausfordernd erwies: „Diskutiert wurden etwa der Flughafen – wobei die Botschaft für fremdsprachige Touristen schwer verständlich wäre –, der Kreisverkehr in Kranebitten oder die Siegl-anger-Brücke, wo man für die Anbringung aber die Autobahn hätte sperren müssen.“ Mit dem nunmehr geplanten Standort – dem stark frequentierten Kreisverkehr bei Innsbruck-Mitte, der auch Richtung Aldrans und Igls führt – sei sie sehr zufrieden.

Der Stadtsenat befasst sich kommende Woche mit dem Projekt, für das es eine naturschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung braucht.

Derzeit lagert das Kunstwerk gut geschützt in der Remise der Innsbrucker Verkehrsbetriebe. 2017 ließ das Jüdische Museum in Hohenems für die Ausstellung „Die weibliche Seite Gottes“ eine Replik anfertigen. Die Neuaufstellung des Originals – das zuvor noch gereinigt werden muss – ist laut Schwarzl „auf jeden Fall noch vor dem Sommer“ geplant: „Was lange währt, wird endlich gut.“

Dass das Kunstwerk, das „auf Frauen und ihr Wirken hinweist“ (Schwarzl), wieder im öffentlichen Raum sichtbar wird, begrüßt auch BM Georg Willi (Grüne): „Ich finde, diese Installation passt absolut zu einer Stadt wie Innsbruck und einer sehr offenen katholischen Kirche, die wir in Tirol haben.“ Er erinnert an die große, im Sommer 2018 am Innsbrucker Dom angebrachte Aufschrift „Solange Gott einen Bart hat, bin ich Feminist“ der Innsbrucker Künstlerin Katharina Cibulka.

„Niemand weiß, ob Gott weiblich oder männlich ist“, meint Willi, „das Werk bringt sehr gut einen umfassenden Gottesbegriff zum Ausdruck, im Sinn eines über allem – auch über den Geschlechtern – stehenden Wesens. Es regt zum Nachdenken darüber an, welches persönliche Verhältnis zu Gott jede und jeder hat. Bei mir ist es der christliche Zugang, es gibt aber natürlich auch andere.“

Ganz anders sieht das StR Rudi Federspiel (FPÖ): Er werde im Stadtsenat dagegen stimmen, „das ist eine reine, dumme Provokation, die nichts bringt. Aber bei dieser Stadtregierung wundert mich gar nichts mehr.“ Innsbruck habe größere, drängendere Probleme als das „Grüß Göttin“-Schild, meint Federspiel.

Ursula Beiler selbst ist jedenfalls „sehr froh“ über den neuen Standort, „er könnte nicht besser sein“. Allein schon „Innsbruck-Mitte“ habe einen guten Klang – von der Lage her handle es sich ja eigentlich sogar um „Europa-Mitte“. Und es sei ein „Kraftplatz“ am Fuße des Patscherkofels.

Das weibliche Element sei im Christentum ohnehin stark verankert (Stichwort: Muttergottes, Marienverehrung), meint Beiler zur Botschaft der Tafel, „das ist nichts Fremdes oder Neues. Es soll aber gleichberechtigt neben dem Männlichen stehen – und das muss man auch so benennen, sonst ändert sich nichts. Das Göttliche ist immer beides.“

Beiler rechnet durchaus wieder mit Sprayattacken, „das gehört schon fast dazu. Aber dann putze ich das eben weg, das ist es mir absolut wert.“ StR Schwarzl zeigt sich zuversichtlich: „Die Menschen in Innsbruck sind so offen, dass sie sagen: Innsbruck verträgt so ein Kunstwerk.“