Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 06.05.2019


Innsbruck

Neue alte Rauchzeichen: Ausstellung von Anton Christian

Aktuelle Arbeiten von Anton Christian in der Galerie Maier als Vorfeier zum 80er.

Anton Christian: "… über Schäden an beweglichen Gütern". (Ausschnitt)

© WatzekAnton Christian: "… über Schäden an beweglichen Gütern". (Ausschnitt)



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Seinen 80. Geburtstag feiert Anton Christian zwar erst im kommenden Februar, die Galerie Maier widmet dem Tiroler Maler und Grafiker trotzdem bereits jetzt eine Personale. Was Sinn macht, blickt der Künstler hier doch nicht primär auf ein langes Lebenswerk zurück, um stattdessen hauptsächlich in den vergangenen zwei Jahren entstandene Arbeiten zu zeigen. Die der Boeckl-Schüler mit Acryl auf teilweise sehr große Papiere gemalt hat, was diese sich partiell fast reliefartig aufbäumen lässt.

Thematisch und formal bringt die Schau allerdings nicht wirklich Neues. Sind Anton Christians Themen doch nach wie vor so große wie Werden und Vergehen, Urgewaltiges wie Wasser, Feuer, Himmel und Erde. Zelebriert in archaischem, bisweilen schriftlich kommentiertem Pathos, wobei das Geschriebene nicht nur das Gemalte konkretisiert, sondern auch als ästhetisches Element funktioniert.

Sein Ziel wäre es, mit dem, was er mache, zu berühren, hat Anton Christian erst kürzlich in einem Interview gesagt. Ob ihm das wirklich gelingt, ist allerdings die Frage. Zu oft hat man seine brennenden Bilder, seine Bäume, die aus Menschenleibern wachsen, seine opulent zelebrierten Rauchzeichen doch bereits gesehen.

Anton Christian war immer ein exzellenter Zeichner. Und so sind auch jene seiner neuen Arbeiten am überzeugendsten, in denen er sich dieser seiner Qualitäten – am besten im kleinen Format – besinnt, anstatt sich in diffusen, zugegebenermaßen geschickt arrangierten Farborgien zu ergehen. Oder, statt im sehr Allgemeinen zu bleiben, den Finger in aktuelle Wunden zu legen. Wie er es etwa in einem kleinformatigen Bild tut, auf dem ein lebloser Körper im Meer treibt, kombiniert mit saftigem Frischfleisch.

Auch als fast 80-Jähriger besinnt sich Anton Christian in der Schau auf seine Anfänge im Installativen und outet sich darüber hinaus als geschickter Bastler. Wenn er etwa kleine Figuren Gehender aus Papier ausschneidet und in spielerischem Hintersinn zu einem raffinierten Reigen verknäuelt.