Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 20.05.2019


Kunst

Mutige Bilder, die jeder sieht und keiner kennt

Anton Tiefenthaler wäre am 11. Mai 90 Jahre alt geworden. Sein Neffe hat für eine Ausstellung öffentliche und fast vergessene Werke des Milser Künstlers aufgespürt.

Der Bildhauer Franz Pöhacker (2. v. l.) war ein Weggefährte Tiefenthalers. Er und seine Söhne unterstützten Josef Leitner (r.) bei der Spurensuche.

© ChristlerDer Bildhauer Franz Pöhacker (2. v. l.) war ein Weggefährte Tiefenthalers. Er und seine Söhne unterstützten Josef Leitner (r.) bei der Spurensuche.



Mils – Das Werk von Anton Tiefenthaler beschränkt sich nicht auf die kleine Leinwand. Es reicht auch von der Fassad­e des Feuerwehrhauses in Mils über Darstellungen an Haller Gebäuden, eine Bildsäule in Thaur bis zu einem 2 mal 2,5 Meter großen Fresko in der Kapelle des Wohnheims Hötting. Der Milser Künstler (1929–1982) wäre am 11. Mai 90 Jahre alt geworden und was beinahe in Vergessenheit geraten ist: Viele Werke sind öffentlich. Für eine Ausstellung hat sich ein Neffe Tiefenthalers auf Spurensuche begeben. Josef Leitner recherchierte, fuhr die Standorte der Fresken mit seiner Vespa ab und fotografierte sie für die Ausstellung.

Der Hl. Martin am Haus Schonger in Hall.
Der Hl. Martin am Haus Schonger in Hall.
- tiefenthaler

Dem Kurator stand vor allem die Haller Künstler-Familie Pöhacker zur Seite. Magnus Pöhacker – Tiefenthaler war sein Taufpate – spricht über die öffentliche Wahrnehmung: „Wenn man bei uns durch Hall geht, weiß kaum jemand, wenn er vor einem von Tonis Fresken steht.“ Während die Aquarell­e, Ölbilder und Zeichnungen höchstes Ansehen genießen, benötigt man bei den öffentlichen Arbeiten einen zweiten, tieferen Blick – und das Wissen, wie diese Werken zustande kamen. Franz Pöhacker, ein langjähriger Freund Tiefenthalers, erinnert sich, dass manche Fresken vermutlich aus Geldnot entstanden seien. „In Hall hat er den hl. Nikolaus ohne Bart gemalt. Unvorstellbar eigentlich, den so darzustellen“, sagt der 92-jährige Bildhaue­r, und Sohn Magnus ergänzt: „Er malte wohl aus wirtschaftlicher Notwendigkeit heraus, aber dafür machte er es mutig und wischte dem Auftraggeber vielleicht damit eines aus.“

Leitner hofft, dass wieder mehr Menschen mit offenen Augen Tiefenthalers öffentliche Arbeiten betrachten. „Wir wollen sie zurück ins Bewusstsein holen“, sagt er. Bei der Ausstellung wird auch eine Tafel enthüllt, die den Künstler öffentlich würdigt. (chris)

Dder Hl. Franziskus in der Kapelle vom Wohnheim Hötting.
Dder Hl. Franziskus in der Kapelle vom Wohnheim Hötting.
- Tiefenthaler