Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 22.05.2019


Innsbruck

Zeughaus zeigt das Bild der Frau im Wandel

„Frauenbilder“ in fünf Stationen: Bei jener im Zeughaus waren die Frauen hinter der Kamera.

Erika Groth-Schmachtenberger war 1939 beim Gauder Fest.

© groth-schmachtenbergerErika Groth-Schmachtenberger war 1939 beim Gauder Fest.



Innsbruck – Obwohl der Titel der Ausstellung „Frauenbilder“ verspricht, zeigen die alten Foto­grafien, die im Zeughaus in Vitrinen liegen, ausschließlich Männer, den Auslöser gedrückt haben allerdings Frauen. Währen­d die Lienzer Fotografin Maria Egger ((1877–1951) fein im Geschmack der 1910er- bis 1940er-Jahre gewandete Herren der Gesellschaft, aber auch Uniformierte in ihrem Atelier in selbstbewussten Posen porträtiert hat, hat sich die Deutsche Erik­a Groth-Schmachtenberger (1906–1992) bei ihren Urlauben gern unters feiernde Volk gemischt.

1939 etwa bei einem Gauder Fest in Zell am Ziller, wo miteinander rangelnde Männer genauso wie kämpfende Küh­e oder Hähne ihr Interess­e weckten wie drei Jahre davor eine Masse von Menschen, die oft mit erhobenem rechten Arm wem oder was auch immer zujubelten.

Die Präsentation im Zeughaus ist ein Teil eines fünfteiligen Ausstellungsprojekts, dessen weitere Teile zeitgleich in der Lienzer Spitalskirche, in den Stadtmuseen von Bruneck und Bozen sowie im Palazzo Roccabruna in Trient gezeigt werden. Das vom Land Tirol mitfinanzierte Interreg-Projekt „Lichtbild“ wurde von Martin Kofler, dem Leiter des Tiroler Fotoarchivs TAP mit Sitz in Lien­z und Bruneck, angezettelt und von Luca Bertoldi und Giusi Campisi kuratiert.

Sie haben zahlreiche Fotoarchive durchforstet, bevor sie eine präzise Auswahl getroffen haben, um unter fünf unterschiedlichen Aspekten den gesellschaftlichen, technischen und kulturellen Wandel zwischen den 1880er- und 1940er-Jahren fühlbar zu machen. „Lauf des Lebens“ ist das Them­a in Lienz, um „Arbeit“ geht es in Bruneck, um „Freizeit“ in Trient, „Atelier“ heißt das Thema in Bozen und „Fotografinnen“ in Innsbruck.

Das Projekt „Lichtbild“ umfasst auch eine umfangreiche Datenbank, die unter www.lichtbild-argentovivo.eu problemlos abrufbar ist. (schlo)