Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 25.05.2019


Kunst

Fetischartige Zerrbilder unserer Gesellschaft

Dialog: Objekte von Anna Holtz (l.) und Andrea Bircken.

© galerie der stadt schwazDialog: Objekte von Anna Holtz (l.) und Andrea Bircken.



Auf einen ersten Blick kommen die Objekte, mit denen Andrea Bircken und Anna Holtz die Galerie der Stadt Schwaz dialogisch bespielen, irgendwie sonderbar daher. Hängen hier doch von der einen aus Bügel-BHs gemachte, teilweise in schwarzes Bitumen getauchte fragile Dinger an der Wand bzw. wird der von der anderen definierte menschliche Körper zum aufklappbaren Schrank inklusive gestrickter Arme, Brüste und Schuhspitzen.

Der 37-jährigen Holtz genauso wie ihrer um 15 Jahre älteren Kollegin geht es um den Körper bzw. um Räume als Metaphern für soziale und gesellschaftliche Konstrukte. Wobei sich beide Künstlerinnen Massenprodukten bedienen, um sie fetischartig aufzuladen. Bircken etwa, wenn sie eindeutig männlich konnotierte Teile von Motorrädern durch blonde Haarteile „zähmt".

Die Objekte von Anna Holtz erscheinen in ihrer Fragilität dagegen fast wie Zeichnungen im Raum, stilisiert mit viel Ironie zum Zerrbild des Idealbilds weiblicher Körperlichkeit und gleichzeitig zum Indikator einer prosperierenden bzw. stagnierenden Konjunktur, die sich am Kauf von Unterwäsche abbilden soll. (schlo)




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