Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 15.06.2019


Kunst

Ausstellung „Inscapes II“: Sieben auf Fotorecherche

Im Fotoforum: Tangotänzer (Ausschnitt) von Birgit Gufler.

© GuflerIm Fotoforum: Tangotänzer (Ausschnitt) von Birgit Gufler.



Rupert Larl versteht das vor 30 Jahren von ihm gegründete Fotoforum in erster Linie als Plattform für ambitionierte Tiroler Fotografen. Wie die sieben, die sich zur Ausstellung „Inscapes II" zusammengetan haben. Was sie verbindet, ist nicht etwa ein gemeinsames Thema, sondern ihre ernsthafte Suche nach einer authentischen fotokünstlerischen Handschrift. Wobei ihre im Fotoforum gezeigten Serien oft sehr viel mit ihren Machern zu tun zu haben scheinen.

Wenn etwa der Eisenbahner Bernhard Gall in seinen schnörkellos klaren Kompositionen Schaltpulte, Details von Maschinen und Stromleitungen zum Thema seiner „Eisenzeit" macht. Sehr intim im Vergleich dazu kommt Hildegard Neuners Zyklus „Mein lieber Sohn" daher. In dem Fragmente aus Briefen, die der Großvater der Fotografin ihrem Vater als Soldat im Ersten Weltkrieg geschickt hat, mit Bildern der Realität überblendet: einer glitzernden Wasseroberfläche, einer alten Mauer oder einer Felswand.

Petra Schöpf wiederum ist als Spurensucherin in dem Haus unterwegs, in dem sie 50 Jahre gelebt hat und das sie nun verlassen will. Das Ergebnis sind berührend zwischen Traurigkeit und Aufbruchstimmung lavierende Bilder. In ihre Kindheit blendet dagegen Maria Sonnleitner zurück, festgemacht an unspektakulären Stückchen Wirklichkeit.

Martina Zingg-Schir ist wiederum gern in der Nacht unterwegs. Wenn die Straßen leer sind, Licht und Schatten die fast surreal daherkommenden Ambienti dominieren. Sofern Menschen vorkommen, sind sie zu Schemen reduziert, was hinter der nächsten Ecke lauert, ist ungewiss. Dunkel sind auch die Bilder, die Birgit Gufler von Tangotänzern gemacht hat. Reduziert auf Gesten, die mit einer sublimen Erotik aufgeladen sind. Ein konzeptueller Ansatz liegt schließlich den „Stimmen der Stadt" von Sabine Prag zugrunde. Indem sie Bilder eines fahrenden Zuges, eines plätschernden Brunnens oder eines Hinterhofs mit Oszillogrammen kombiniert, die deren Geräusche abbilden. (schlo)




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