Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 20.06.2019


Kunst

Sommerausstellung auf Schloss Ambras: Galeere oder Harem

Um „Piraten und Sklaven im Mittelmeer“ dreht sich die mit exquisiten Objekten bestückte heurige Sommerausstellung auf Schloss Ambras.

Sklaven waren für Kaiser Karl V. (siehe Bild unten) und Sultan Süleyman I. eine kostbare Rangiermasse im Kampf um die Vorherrschaft im Mittelmeerraum.

© KHMSklaven waren für Kaiser Karl V. (siehe Bild unten) und Sultan Süleyman I. eine kostbare Rangiermasse im Kampf um die Vorherrschaft im Mittelmeerraum.



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Piraten entzünden noch heute die Fantasie von Groß und Klein, man denke nur an die „Fluch der Karibik“-Filme, die sicher nicht nur darum so erfolgreich sind, weil Johnny Depp so hübsch ist. Um jene Piraten, die ab dem frühen 16. bis Ende des 17. Jahrhunderts das Mittelmeer zu einer höchst unsicheren Weltgegend machten, geht es diesen Sommer auch auf Schloss Ambras. Die zweifelhaften „Helden“ der exquisit bestückten Schau sind mit Kaiser Karl V. und Sultan Süleyman I. sowohl der Führer des christlichen Abendlandes als auch jener der Osmanen. Welche Rolle legendäre Piraten wie Chair-ad-Din Barbarossa oder Andrea Doria in dem mit kriegerischen Mitteln ausgetragenen Kampf um die Vorherrschaft in Europa wie Nordafrika spielten, zelebriert die Schau.

Die eindrucksvoll zeigt, dass sich beide Seiten in Bezug auf Brutalität nichts schuldig blieben. Wenn es etwa um den Sklavenhandel ging, der sowohl für die moslemischen Piraten als auch die christlichen Ritterorden eine wichtige Einnahmequelle darstellte. Durch den Verkauf auf Sklavenmärkten wie auch durch die Erpressung von Lösegeldern. Viele der mehr als eine Million Sklaven landeten als Ruderer auf den riesigen Galeeren, mit denen der blutige Kleinkrieg im Mittelmeer geführt wurde. Weibliche Sklavinnen kamen nach Europa als unbezahlte Arbeitskräfte in noblen Haushalten, im Orient dagegen in Harems – um hier bisweilen sogar so etwas wie Karriere zu machen. Wie die aus der heutigen Ukraine stammende schöne Roxelane (1506–58), die bei einem osmanischen Einfall verschleppt und durch Verkauf am Istanbuler Frauenmarkt im Harem von Sultan Süleyman dem Prächtigen landete. Um durch geschickte Intrigen zu dessen einflussreicher Hauptfrau zu avancieren.

Kaiser Karl V.
Kaiser Karl V.
- KHM