Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 03.08.2019


Bezirk Imst

Afrafest in Affenhausen: Der Hl. Strohsack als neuer Nothelfer

Zum 16. Mal findet nächsten Sonntag das Afrafest statt. Im Mittelpunkt steht eine durchaus humorvolle Lithographie des Künstlers Reiner Schiestl. Die soll die halbe Million für die Frauenhilfe voll machen.

14 Blatt hatte Reiner Schiestl (mittleres Bild, 2. v. r.) für die Lithographie vorzubereiten. Im Beisein von Annelies, Walter und Günther Stecher (v. l.) signierte er die 140 Werke.

© Stecher&Stecher14 Blatt hatte Reiner Schiestl (mittleres Bild, 2. v. r.) für die Lithographie vorzubereiten. Im Beisein von Annelies, Walter und Günther Stecher (v. l.) signierte er die 140 Werke.



Von Alexander Paschinger

Affenhausen – Am Sonntag, den 11. August, ist es wieder so weit: Im Garten der Steindruckerei Stecher&Stecher in Affenhausen steht ab 16.30 Uhr wieder das Afrafest auf dem Programm. Es ist kein Künstlerfest wie jedes andere, sondern hat einen karitativen Hintergrund, der seinesgleichen in Tirol sucht: Zum 16. Mal fließt nämlich der Verkaufserlös einer limitierten Lithographie je zur Hälfte in die Aktion „Frauen helfen Frauen“ und in die Tiroler Frauenhäuser.

Heuer wurden 140 Blatt vom „Hl. Strohsack“ des gebürtigen Kufsteiner Künstlers Reiner Schiestl aufgelegt. „50 sind schon reserviert“, freut sich Steindrucker Günther Stecher über das angelaufene Interesse. Schiestl reiht sich in eine lange Liste Tiroler Kunstschaffender ein, die sich wie das Who is Who der Szene liest: August Stimpfel machte 2004 den Anfang. „Da glaubten wir noch an eine einmalige Aktion“, erzählt Stecher. „Dann hat aber Paul Flora zu mir gesagt ,Nana, ich mach’ das auch.‘“ Dem Grafiker Flora folgten Herbert Danler, Chryseldis Hofer-Mitterer, Franz Pöhacker, Patricia Karg, Walter Nagl, Robert Scherer, Anton Christian, Jos Pirkner, Elmar Kopp, Nino Malfatti, Franz Mölk und schließlich Leander Kaiser im Vorjahr.

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- Stecher&Stecher

Diese 15 Künstler brachten einen Verkaufserlös von exakt 481.200 Euro. „Allein letztes Jahr konnten wir im Dezember 50.000 Euro übergeben“, sagt Günther Stecher nicht ohne Stolz. Wobei er ergänzt: „Da stehen wir schon ein wenig unter Druck – und der Künstler auch.“

In einem sind sich Annelies und Günther Stecher sicher: Die halbe Million an Hilfe für diese Tiroler Fraueninitiativen wird heuer voll gemacht. Und zwar mit Hilfe des „Hl. Strohsacks“ von Reiner Schiestl.

Dem 80-jährigen Doyen der Kunstszene mangelt es nicht an Humor. Er hat ein Buch geschrieben über Heilige – echte und falsche. Hat deren Geschichten erfunden oder ergänzt. Dem „Hl. Strohsack“ als „hoffnungsvoll wärmendem Nothelfer und Patron gegen die Kälte in der Welt“ hat er seinen Beitrag gewidmet. „Ach du heiliger Strohsack“ – dieser verzweifelte Ausruf war Anlass, sich folgende Legende auszudenken: Demnach habe es einmal einen so strengen Winter gegeben, dass Hasen mitten im Sprung erfroren seien. Erzengel Gabriel habe deshalb einen himmlischen Strohsack ergriffen und ihn auf die Erde gesandt, wo er sich wie dereinst die biblischen Brote und Fische wundersam vermehrte. Für seine Verdienste um das Katastrophenmanagement wurde er in Rom heiliggesprochen.

Der 14-farbige Druck wurde in 140 Stück hergestellt. Der Preis pro Blatt beträgt 380 Euro, mit Passepartout und weißem Rahmen 467 Euro, mit Goldrahmen 542 Euro.

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