Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 27.08.2019


Kunst

Heidrun Widmoser: Eine, die Grenzsituationen mag

Erfreuliches Wiedersehen mit Heidrun Widmoser im Kunstraum Hopfgarten.

Keine Collage, sondern von Heidrun Widmoser in Tempera gemalt.

© WidmoserKeine Collage, sondern von Heidrun Widmoser in Tempera gemalt.



Hopfgarten – Seit die Südtiroler Malerin und Grafikerin Heidrun Widmoser nach Jahren in Innsbruck nun in Wien lebt, ist auch ihre Arbeit weitgehend aus dem lokalen Gesichtsfeld verschwunden. Weshalb es schön ist, dass der Kunstraum Hopfgarten der Oberhuber- und Caramelle-Schülerin nun eine umfassende Personale widmet. In der neben einigen Arbeiten, an die man sich noch vage erinnert, hauptsächlich ganz neue und komplett andere zu sehen sind.

Sie möge Grenzsituationen, sagt die 59-Jährige, die Kombination von scheinbar Widersprüchlichem wie Fotorealismus und Abstraktion. Um gleichzeitig auch übliche Sehgewohnheiten auszutricksen, indem etwa ihre neuen Arbeiten auf einen ersten Blick wie Collagen daherkommen, in Wirklichkeit aber ganz solid in Eitempera auf große Leinwände gemalt sind.

Diese scheinbare Heterogenität zeichnete schon Widmosers frühere Bilder aus, die gern nächtliche sind, eine Wirklichkeit abbildend, wie man sie vielleicht mit halb geschlossenen Augen aus einem fahrenden Auto heraus wahrnimmt. Wenn die Versatzstücke des Realen durch das Einfrieren der Geschwindigkeit zu fast abstrakten Flecken verfließen, die erst aus der Distanz wieder so etwas wie Wirklichkeit suggerieren. Noch dazu, da die Farbigkeit autonom ist, eher mit Emotionalem als Rationalem zu tun hat.

Mit dem Moment der Irritation spielt Widmoser aber auch in ihren neuen Bildern, die so tun, als wären sie im wahrsten Sinn des Wortes vielschichtige Relikte aufgegebener Plakatwände. Die mit neugierigen Augen durch die Welt reisende Künstlerin hat ihre Sujets in Mexico City genauso wie in Rom, Wien und Berlin gefunden und fotografiert. Die Bearbeitungen dieser Fotografien per Computer werden schließlich auf große Leinwände projiziert und von Widmoser auf ihre sehr spe-zielle Art und Weise in raffinierte Puzzles verwandelt.

Die Farbe spielt in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle, genauso wie das Jonglieren mit Linearem und Flächigem, bildhaft Erzählerischem und Geschriebenem. Der Auftrag der Farbe ist trocken und dünn, sich überlagernd bisweilen in mehreren Schichten, um auf diese Weise eine räumliche Tiefe zu suggerieren, die allerdings eine nur scheinbare und genauso wie das Sujet an sich nur schwer fassbar ist. (schlo)