Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 29.08.2019


Kunst

Die 25 schönsten „Schönen Madonnen“

Einen Umweg wert: die im Bergbau- und Gotikmuseum Leogang gezeigten „Schönen Madonnen“.

Dieses Vesperbild aus Waakirchen befand sich ursprünglich im Benediktinerkloster Tegernsee.

© diözesanmuseum freisingDieses Vesperbild aus Waakirchen befand sich ursprünglich im Benediktinerkloster Tegernsee.



Leogang – Ein besonders reizvolles Kapitel der Spätgotik sind die so genannten „Schönen Madonnen“. Ihren Namen haben die oft den Körper ihres Kindes im Arm haltenden Gottesmütter wegen der sanfte Rundungen umhüllenden Gewänder bekommen, bevor die Gestaltung des Faltenwurfs um 1450 unter dem Einfluss stilistischer Tendenzen aus den Niederlanden wieder zunehmend eckiger wurde.

In dem auf der Kunstachse Prag–Paris liegenden kunstaffinen Erzstift Salzburg wurde in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts der „weiche“ Stil der „Schönen Madonnen“ zum bevorzugten Objekt der Volksfrömmigkeit, zum populären Medium von Zuflucht und Hoffnung. Dass die nicht aus Holz, sondern wegen der Weichheit des Materials bevorzugt aus Gussstein geschnitzten und bunt gefassten Objekte der Andacht bis heute nichts von ihrer Magie verloren haben, zeigt die Ausstellung von 25 besonders schönen „Schönen Madonnen“ im heuer neu eröffneten Bergbau- und Gotikmuseum im salzburgischen Leogang.

Das allein schon seiner Architektur wegen einen Be-such wert wäre. Wurde hier doch ein ehemals von Bergknappen als Getreidespeicher genutztes und nun denkmalgeschütztes Gebäude sensibel in einen stimmungsvollen Kunstort verwandelt. Die vom Leiter des Museums, Hermann Mayrhofer, fein kuratierte und von einem informativen Katalog begleitete Ausstellung der „Schönen Madonnen“ führt die weit verstreuten wichtigsten Objekte dieses reizvollen Genres an einem Ort zusammen, bevor sie ab 20. November in die Prager Nationalgalerie weiterwandern. (schlo)




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