Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 06.09.2019


Kunst

Innsbrucker Fotoforum: Selbstsuche zwischen Land und Meer

Vier oberitalienische FotografInnen sind im Innsbrucker Fotoforum zwischen Land und Meer unterwegs.

Fernanda Trecordi schickt ihre Schwester auf eine metaphorische Suche nach neuen Horizonten.

© TrecordiFernanda Trecordi schickt ihre Schwester auf eine metaphorische Suche nach neuen Horizonten.



Innsbruck – Da die Personale von Annamaria Belloni vor zwei Jahren vom Publikum genauso gemocht wurde wie die von ihr im vergangenen Jahr kuratierte Gruppenausstellung, hat Rupert Larl die italienische Fotografin zu einem Da Capo ins Fotoforum eingeladen. Dafür hat Belloni zwei Fotografinnen und zwei Fotografen aus dem oberitalienischen Raum ausgesucht bzw. ihre völlig unterschiedlichen Zugänge zum gestellten Thema „Dalla terra al mare – e ritorno“.

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Im Backstage-Bereich von Aquarien hat sich etwa der Mailänder Gianmarco Maraviglia herumgetrieben. Sozusagen in einer künstlichen Natur, die der ökologisch Bewegte durchaus als Arche Noah unserer Tage begreifen könnte. Exotische Tiere und Pflanzen spielen in diesen opulent aufgemachten Bildern die zentrale Rolle, die Menschen, die sich hier umtun, sind einerseits auf der anderen Seite der gläsernen Barriere Staunende bzw. Menschen, die etwa die Aquarien von innen putzen oder für das leibliche Wohl ihrer Bewohner sorgen.

Luca Andreoni reduziert das Wasser des Flusses Brenta dagegen zur fast abstrakten, sehr poetisch daherkommenden, sich atmosphärisch immer wieder wandelnden Struktur. An der Mündung des Po war Antonella Monzoni fotografierend unterwegs. In jener einzigartig symbiotischen Landschaft aus Land und Meer mit ihren von der Natur zurückeroberten Häusern und weißen Wildpferden.

Die Reise vom Land zum Meer und wieder zurück stilisiert Fernanda Trecordi zu einer metaphorischen Suche nach sich selbst. Zu ihren Wurzeln, ausschauend nach neuen Horizonten. Als ihre Statthalterin lässt die in Piacenza lebende Fotografin ihre Schwester bunte Kanister über ein brachliegendes Feld schleppen oder im Po auf einem Floß balancieren. Trecordis Sujets sind ganz exakt komponiert, nichts ist hier zufällig, jedes Detail mit einer Bedeutung aufgeladen. Die der Betrachter durchaus nicht immer verstehen muss, etwa wenn die Fotografin ihre Schwester in perfekter Inszenierung auf dem Kopf stehen lässt. (schlo)




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