Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.09.2019


Kunst

Veltman-Ausstellung in Schwaz: Fingerübungen werden zu Malströmen

Rens Veltman in der Galerie der Stadt Schwaz: Eine Kooperation mit den Klangspuren hebt das zeichnerische Talent des Medienkünstlers hervor.

Einblick in die Schau: Die in Serie gehängten Zeichnungen brechen mit einer durchlaufenden Bildunterschrift aus ihren Rahmen aus.

© NaglEinblick in die Schau: Die in Serie gehängten Zeichnungen brechen mit einer durchlaufenden Bildunterschrift aus ihren Rahmen aus.



Schwaz – Die Maschinen erledigen die Arbeit. Auch bei Rens Veltman, der für die Tiroler Medienkunst bereits seit den Siebzigern Pionierarbeit leistet, ist sogar regelmäßig die Maschine für Kunstproduktion zuständig. So auch in der gestern eröffneten Ausstellung seiner „Flatlands (to be continued)“ in der Galerie der Stadt Schwaz. Ein Stift, der dem Algorithmus des Künstlers folgt, fertigt hier eine Wandarbeit.

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Ansonsten konzentriert sich Veltman in den neu entstandenen Arbeiten auf sein zeichnerisches Talent. Die Serie täglicher Konzentrationsübungen, dicht gewobene, zwischen Abstraktion und Figürlichkeit changierende Zeichnungen, entstand übrigens in Kooperation mit den Klangspuren; das Festival für zeitgenössische Musik mit seinem neuen Leiter Reinhard Kager suchte sich darunter ein Sujet für die diesjährigen Drucksorten aus.

Was auf den Programmheften zunächst wie eine Radierung herüberkommt, wird in der Ausstellung als Zeichnung identifizierbar: Die feinen Linien des Tuschestiftes lassen sich ausmachen, der mal weich dahinfließend, mal nervös zitternd über das immer selbe A4-Papier streicht. In Serie werden die Arbeiten zu sich beständig weiterentwickelnden Motiven, mal vermutet man Piranesis phantasievolle „Carceri“ als Inspirationsquelle, mal Cy Twomblys jagende Schraffuren. Die Linien überlagern sich, ebenso wie die Medien es tun.

Und hier wird es bei Veltman besonders spannend: Einige Zeichnungen werden um technologische Hilfsmittel erweitert. Durchlaufende Bildtitel auf LED-Schildern geben Interpretationshilfen („Malstrom“, „Kuhfladen“), eine Soundinstallation (entstanden im Rahmen der Architekturbiennale 2012) baut die dazupassende Geräuschkulisse auf. Spätestens hier wird klar: Veltman und die Klangspuren gehen eine fruchtbringende Verbindung ein. Erfreulicherweise wird die Kooperation auch in den nächsten Jahren weitergehen. (bunt)