Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 05.10.2019


Kunst

Der Mensch als Wesen aus Körper und Geist

Krzysztof Gieraltowskis präsentiert mit „Bildnisse ohne Gesichter“ ein Who’s who der polnischen Intelligenzia im Innsbrucker Fotoforum.

Bis vor zehn Jahren hat der Pole Krzysztof Gieraltowski seine sehr speziellen Porträts ausschließlich in Scharzweiß fotografiert.

© gieraltowskiBis vor zehn Jahren hat der Pole Krzysztof Gieraltowski seine sehr speziellen Porträts ausschließlich in Scharzweiß fotografiert.



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Menschen sind eindeutig das Thema des polnischen Fotografen Krzysztof Gieraltowski, obwohl er seiner Ausstellung den Namen „Bildnis ohne Gesicht“ gegeben hat. Die Erklärung dafür ist, dass es dem 81-Jährigen weniger um die Dokumentation der äußeren Hülle – hauptsächlich von Männern – als um die Verbildlichung von Individuen in einem ganzheitlichen Sinn geht. Um den Menschen als physisches genauso wie psychisches Wesen, aber als politisch agierender Teil seiner heimatlichen Gesellschaft.

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Auf diese Weise kommt der Bilderreigen, den lange auch als Filmemacher tätige Fotokünstler als spannend aufbereitetes Who’s who der polnischen Intelligenzia konzipiert hat, daher. Hat Krzysztof Gieraltowski doch die Gab­e, in jedem seiner Gegenüber etwas ganz Spezielles zu orten. Zelebriert in Bildern, die bis ins kleinste Detail inszeniert sind. Was nicht immer wirklich schmeichelhaft für die Porträtierten ausfallen muss. Wenn er etwa den Maler Rafal Olbinski mit sein Gesicht verhüllendem schwarzem Spitzenschleier und roter Rose in der Hand porträtiert, was mit dessen Hang zum Kitsch zu tun habe, so Gieraltowski. Dieser habe sein Bildnis trotzdem gemocht, wie die meisten anderen auch. Etwa der Anwalt, den er in pathetischer Pose mit der Perücke eines britischen Richters zeigt, oder den Grafiker, der allein auf sein Auge reduziert ist, während ein Politiker in dichtem Rauch vernebelt scheinbar kopflos dasteht oder Nobelpreisträger Czeslaw Milosz fast nicht mehr von dieser Welt zu sein scheint.

Sich selbst reduziert Krzyszto­f Gieraltowski makaber zum Ganzkörperscan bzw. Röntgenbild seines Schädels bzw. seiner Hände, seinen jugendlichen Sohn auf dessen heißgeliebte rote Kapuzenjacke. Die Frauen seines Lebens abstrahiert er dagegen zu einer poetisch verdämmernden pastellige­n Struktur.

Seit zehn Jahren fotografiert Krzysztof Gieraltowski bevorzugt in Farbe, davor in Schwarz-Weiß. In grafischer Delikatesse gern als raffiniertes Spiel mit metaphorisch aufgeladenem Collagiertem, das bisweilen ganz bewusst ins humorig Skurrile kippt.

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