Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 11.10.2019


Kunst

Lois Welzenbacher: Ein etwas anderer Moderner

Lois Welzenbacher, einem Wandler zwischen Tradition und Aufbruch, widmen das Innsbrucker aut und das Archiv für Baukunst eine Ausstellung zu dessen 130. Geburtstag.

1930–32 von Lois Welzenbacher erbaut: das Kurhotel Seeber (heute Parkhotel) in Hall.

© Lukas Schaller1930–32 von Lois Welzenbacher erbaut: das Kurhotel Seeber (heute Parkhotel) in Hall.



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Lois Welzenbacher hatte für Innsbruck große Pläne, gebaut hat er hier einiges, halbwegs original erhalten ist allerdings sehr wenig. Wie das 2004 von der Arge köberl + giner & wucherer_pfeifer mit viel Gespür von einem Sud- in ein Architekturhaus verwandelte Adambräu. Dass gerade hier – im aut genauso wie im Archiv für Baukunst – im Rahmen der 350-Jahr-Feiern der Universität der 130. Geburtstag Welzenbachers gefeiert wird, ist nur logisch. Um anhand von Filmen, Modellen, Skizzen und Plänen einen ganz neuen Blick auf das Werk eines der wichtigsten österreichischen Baukünstler der Zwischenkriegszeit zu werfen.

Es ist höchste Zeit, ihn aus der rein modernistischen Ecke herauszuholen. In diese wurde der gebürtige Münchner oft gestellt. Er eröffnete 1918 in Innsbruck sein erstes Büro und starb 1955 mit 66 Jahren in Absam. Was Rainer Köberl und Lukas Schaller tun, wenn sie sich in ihrem gemeinsamen Filmprojekt auf die Spuren dieses Wandlers zwischen Tradition und Aufbruch heften. Das Ergebnis sind unspektakulär stille Bilder, wobei der O-Ton das konzentrierte Schauen auf 17 der Bauten raffiniert unterstützt. Die, je nach städtebaulichem oder landschaftlichem Kontext sowie Funktion von komplett unterschiedlichen architektonischen Haltungen erzählen. Lavierend zwischen fast klassizistischem Gestus, organisch weichen und funktionalistisch strengen Formen. Wenn Welzenbacher etwa beim Adambräu einer von Maschinenbauern vorgegebenen Struktur „nur“ eine architektonische Verpackung verpasst hat, die es allerdings in sich hat.

Welzenbachers Wandlungsfähigkeit zeigt sich auch in dem im Archiv zelebrierten Ausstellungsteil, in dem so mancher blinde Fleck seines Oeuvres ans Licht der Öffentlichkeit geholt wird. Aber auch die Konstanten klar aufgezeigt werden, die sein Bauen in vier Jahrzehnten prägen. Um Welzenbachers Adambräu, aber auch um die hier untergebrachte universitäre Architektursammlung geht es in dem soeben im StudienVerlag erschienenen, von Christoph Hölz herausgegebenen Buch „Archiv im Adambräu“.

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